Mona’s & Marek’s Abenteuer in British Columbia

Ein Bericht von Marek Stössinger

 

Squamish50 – British Columbia, Samstag, 17. August 2019

Alle guten Dinge sind drei. Drei Monate – drei Ultras. Dass das Sprichwort hier nicht so ganz zu trifft, erschien uns schon nach der letzten Anmeldung wahrscheinlich. Aber die Bieler 100km waren unser sportliches Ziel. Den E51 am Eiger fanden wir letztes Jahr ja ach so toll und Squamish50? Das wurde uns von einer Bekannten so schmackhaft gemacht und in Kanada zu laufen stellten wir uns beide super vor, da mussten wir auch einfach noch hin. Schliesslich konnte ich dann auch gleich noch einen Freund besuchen, den es dort hin verschlagen hat.

Wo ist Squamish und was ist Squamish50? Squamish liegt im Westen von Kanada – ca. 45 Minuten von Vancouver entfernt und ist ein beliebtes Mountainbike- und Klettergebiet. Folglich handelt es sich bei Squamish50 um einen, oder besser mehrere recht wellige Wettkämpfe über 50 km, 50 Meilen (80km), oder 50/50 – beides nacheinander… Wir entschlossen uns für die zweite Variante und hatten so 80 Kilometer mit über 3000 Höhenmetern vor uns. Da wir dort maximal auf 1000 Metern Höhe laufen würden, gingen wir von keinem alpinen Gelände aus und waren guten Mutes. Auch hatten wir immer im Hinterkopf, dass wir dort durch die Heimat von Schwarzbären, Grizzlies, Elchen und Pumas laufen werden.

Am Samstagmorgen um 5:30 Uhr war es dann soweit. Wir standen mit allen anderen 460 Startern in dem kleinen Park in Squamish und lauschten der Ansprache von Veranstalter und Ultraläufer Garry Robins (er absolvierte einmal den berühmten Barkley Marathon als zweiter nach 60h und 6 Sekunden. 6 Sekunden zu langsam – er schied aus 😊). Dann erfolgte der Startschuss. Alle Läufer liefen in den Lichtkegeln ihrer Stirnlampe durch die kanadische Kleinstadt. Die ersten elf Kilometer waren flach. Mona und ich liefen diesmal gemeinsam, schliesslich hatten wir Urlaub. Nach der ersten Verpflegungsstelle ging es dann bergauf. Ziemlich schnell merkten wir auf was wir uns eingelassen hatten. Das Terrain hatte definitiv etwas Urwaldartiges: Wurzelteppiche, Farne, Felsen. So gar nicht wie im Schwarzwald oder dem Basler Jura. Unterwegs waren wir grösstenteils auf welligen Mountainbiketrails. Es war alles laufbar, keine Frage. Jedoch musste man stets darauf achten, wo man den Fuss aufsetzt.
Ein absolutes Highlight waren die Verpflegungsstellen, die uns alle 9 bis 11 km erwarteten. Wir wurden stets mit Applaus und einem «Good job» begrüsst, uns wurden die Wasserflaschen aus der Hand genommen, um sie wieder mit Wasser oder Iso zu füllen und auch die restliche Verpflegung war sehr üppig. Insgesamt waren 350 freiwillige Helfer mit unglaublicher Motivation am Werk. So etwas hatten wir in all den Jahren noch nie erlebt. Soll es doch Laufveranstaltungen geben, an den zur Not schon mit finanziellen Mitteln nachgeholfen werden musste, um die Veranstaltung irgendwie durchführen zu können…

Das Tempo war generell relativ locker von uns gewählt. Denn schon Wochen vorher merkten wir, dass die anderen beiden Wettkämpfe deutliche Spuren hinterlassen hatten. Also waren wir auf einen langen Läufertag vorbereitet. So kam es dann auch. Die Beine wurden schwerer und der Geist müder. Das berühmteste Teilstück hiess «Galactic Scheisse». Da ging es weiterhin auf ruppigem Untergrund über 4 km zirka 800 Meter hoch. Bergab zu laufen war auch nicht wirklich eine Erleichterung. Etliche tiefe «Drops», Felsen und Wurzeln wussten uns das Läuferleben schwer zu machen.
Bei der letzten Verpflegungsstelle, 11 km vor dem Ziel, liefen die Helfer noch einmal zur Höchstform auf. Alle waren verkleidet und «Game of Thrones» muss wohl Vorbild gestanden haben. Es gab die letzte Cola und dann ging es weiter auf das finale Teilstück mit dem letzten Anstieg und Downhill.

Zu froh waren wir, als unsere Gummibeine wieder 2 km vor dem Ziel auf asphaltierter Strasse laufen konnten und nach 12h und 27min ins Ziel kamen.
Garry Robbins war bekannt dafür, dass er jeden Finisher mit einer Umarmung empfängt. Und das tat er auch. Obendrein gab es noch ein kurzes Interview mit den beiden Läufern aus der exotischen Schweiz und den tollen, einheitlichen Shirts (wir wurden oft auf die BRC Shirts angesprochen 😉). Als Zielverpflegung erwarteten uns Burger, Sushi, Eis und Bier.

Der Squamish50 war ein unvergesslicher Lauf. Nicht zuletzt wegen der unglaublichen Stimmung und dem irrsinnigen Gelände. Jetzt freuen wir uns erstmal auf die Trainingspause, aber vielleicht kommen wir ja irgendwann wieder zurück – 50/50?