3:00 für Serena in Tokyo

Nach viel Verletzungspech im vergangenen Jahr war es für Serena endlich mal wieder soweit, ein Start bei ihrer Lieblingsdiziplin, dem Marathon. Und sie hatte sich einen ganz besonderen ausgesucht: Tokyo! Was einfach klingt, ist nicht ganz so, denn für den grössten Marathon in Japan muss man sich entweder qualifizieren, oder man wird dem Losverfahren zugeordnet. Serena gelang das Erstere und erhielt sogar eine Elite-Startnummer bei den Frauen.

Ihre Vorbereitung lief bis zum Testwettkampf, dem Halbmarathon auf Cran Canaria, sehr gut. Die Topzeit von 1:22 zeigte, Serena war schnell. Vielleicht an dem Tag etwas zu schnell, denn das Rennen auf den Kanaren kostete sie doch ziemlich Kraft und ihr bekanntes Problem mit dem Knie machte sich wieder bemerkbar.

Das Trainingspensum wurde für die letzte Wochen nochmals deutlich reduziert, nur die notwendigsten Einheiten durchgezogen, damit ein Start in Tokyo nicht gefährdet würde. Das Ziel von Serena war klar: Die Limite für die Südasien-Meisterschaften unterbieten, eine persönliche Bestzeit laufen und damit die 3-Stunden-Marke knacken. Ein durchaus realistisches Ziel, der Halbe auf Cran Canaria hatte dies gezeigt.

Für einen guten Marathon ist das Training die wichtigste Basis, am Renntag selbst dann die mentale Einstellung. Beim Ersteren war es in den Vorwochen nicht planmässig gelaufen, beim mentalen gab es bei Serena keinen Zweifel, sie wollte ihre Ziele unbedingt erreichen. Aber auch etwas Glück gehört bei einem Marathon dazu, vor allem was die Bedingungen betrifft und dort spielte das Wetter in Tokyo leider nicht ganz mit. Während es in den Vortagen und den Tagen danach so gut wie perfekt war, erreichte genau am Renntag ein Regengebiet die japanische Metropole und liess die Temperatur auf 5 Grad sinken. Wer schon einmal bei diesen Verhältnissen gelaufen ist, der weiss, was das bedeutet.

Soll man nun die Lauftaktik bei solchen Bedingungen ändern? Eigentlich nicht, bei Hitze ganz klar, bei Regen muss man halt durch. Viel ändern kann man dann nicht mehr und so musste auch Serena erfahren, dass die Beine bei kaltem Regen einfach nicht das entfalten können, was bei trockenen 15 Grad möglich wäre. Beim Halbmarathon war sie bereits zu ihrer geplanten Zeit im Rückstand. Zum Glück aber hielt ihr Knie vorerst schmerzfrei durch.

Auf den letzten Kilometern, bis dahin lag sie auf einer aussichtsreichen Pace für die 3-Stunden-Marke zu knacken, machten ihre Beine dann regelrecht zu. Ich erinnere mich da nur zu gut an den Florenzmarathon, den ich mit Maren 2017 lief, bei gleichen Bedingungen passierte mir das Gleiche, plötzlich wollten die Beine wegen der Kälte nicht mehr, harte letzte Kilometer standen dann an.

Bei Serena in Tokyo wurde es dann am Ende eine 3:00:22, das hört sich sehr knapp an, aber die notwendigen 23 Sekunden schneller zu laufen ist dann nicht mehr möglich. Ihre Enttäuschung im ersten Moment kann man sich sehr gut vorstellen, aber betrachtet man das Ergebnis genauer, hat sie ihre Hauptziele damit erreicht: Die Qualifikationszeit für die Südasien-Meisterschaften hat sie unterboten und ihre persönliche Bestzeit um über eine halbe Minute verbessert. Ob sie für ihr Geburtsland Singapur letzten Endes nominiert wird, hängt von ihren Landsfrauen ab, laufen zwei von ihnen eine schnellere Zeit, darf sie nicht an den Meisterschaften teilnehmen. Die beiden schnellsten Konkurrentinnen diesbezüglich liefen in Tokyo beide deutlich langsamer, das sollte Hoffnung geben. Einen weiteren Marathon zu versuchen wird für die beiden knapp, eine bessere Zeit in den nächsten Wochen ist sehr unwahrscheinlich.

Das sollte Serena für ihre tolle Leistung in Tokyo Zufriedenheit geben, die 3-Stunden kann sie später immer noch meistern. Auf jeden Fall sind wir mega stolz auf sie, dickste Gratulation Singapore Rocket!