Maren’s 42,6 km du Mont Blanc

Ein Bericht von Maren Tritschler

 

Mein „grosser“ Berglauf für dieses Jahr sollte der Marathon du Mont Blanc werden, da die Strecke nach einer absoluten Herausforderung aussah – und das war sie auch!

Obwohl der Lauf erst am Sonntag war, reiste ich begleitet von meinem Schatz (als weltbester Wasserträger) bereits am Donnerstag an. Ich mache gerne ein verlängertes Wochenende bei so einem Event. Das Coole hier ist, dass übers ganze Wochenende verteilt verschiedene Läufe stattfinden – eingeleitet von dem 90km Ultra mit Start am Freitag früh um 4 Uhr! Es ist also immer was los in Chamonix. Ich habe die Tage vor dem Lauf aber vor allem genutzt um mich zu erholen, denn die Trainingszeit war für mich dieses Mal sehr intensiv. Zum einen konnte ich erst später mit dem „richtigen“ Training beginnen wegen einer Verletzung und zum anderen hatte ich eine strenge Projektphase auf der Arbeit. Der grosse Tag konnte und sollte dann bitte auch mal kommen…

 

… und dann kam er schneller als erwartet! Um 7 Uhr am Sonntag sollte es losgehen. Ich habe noch herausgefunden,  dass ich mich mit der Startnummer 69 theoretisch in den Elite-Block einreihen hätte können. Hätte ich besser mal gemacht, aber ich wollte irgendwie nicht. Da aber schon eine halbe Stunde vor Start super viele Läufer anstanden, musste ich weiter hinten ins Startfeld (ohne Staffelung, was bei 2.700 Läufern dann schon sehr stockend ist) unddddd los…

 

… die ersten 17 km sind eigentlich eher „Einlaufen“ bis nach „Vallocrine“. Hier sind „nur“ 600 von 2.700 HM zu bewältigen, dh. man kann diese noch recht flott laufen. Das ist noch nicht wirklich meine Stärke und somit hatte ich hier  Anlaufschwierigkeiten. Ausserdem war ich irgendwie immer noch müde. (Wann wirkt denn endlich der dreifache Espresso?). Aber dann kommt zum Glück der Anstieg zum „Aiguillette des Posettes“. Auf 6 km steigt es nun 1.000 HM auf wunderbaren Trails – ein richtiger Wadenbeisser und somit absolut nach meinem Gusto. Hier habe ich plötzlich meine Motivation wiedergefunden und konnte Sonne und Aussicht oben sogar richtig geniessen. Aber nur kurz! Es folgt nun der einzige Abstieg in dem Rennen. Pause? Absolut nicht! Denn es ist ein sehr steiler und technischer Trail, der viel Konzentration und starke Beine fordert und bei KM 28 in „Le Tour“endet. Ab jetzt kommt der Anstieg zum zweiten Pass „La Flégère“. Ab hier musste man wieder auf „Hochrennen“ umstellen, was sich einfach anhört, aber wirklich Kraft und Konzentration erfordert.

 

Bei mittlerweile 30°C im Tal und purer Sonne wurde man auf dem langen Anstieg zwischenzeitlich regelrecht gegrillt. Ich war aber auf Überholkurs und dank netter Zuschauer, die scheinbar gerne Frauen zählen, wusste ich, dass Nummer 15 mittlerweile eingeholt hatte. Da war ich sehr überrascht, da bei diesem Lauf ein starkes Feld am Start ist. Darunter auch Kilian Jornet, der bei den Männern wie erwartet als Erster die Ziellinie überquerte! Mittlerweile weiss ich auch, dass der Lauf zu den Golden Trail Series von Salomon gehört (ein neuer Cup für Trail-Läufer) und somit für Spitzenläufer sehr attraktiv ist. Ehrlich gesagt war mir das vollkommen egal. Ich wollte einfach mein Rennen machen. Also weiter zur nächsten Bergspitze… oben angekommen erst mal Wasser nachfüllen – 1,5 l waren nämlich mittlerweile leer und es sind hier noch immer 5 km bis zum Ziel….

 

… und diese haben es in sich! Ein ständiges Auf und Ab auf sehr technischem Terrain. Gut 1 km vor dem Ziel kam mein lieber Wasserträger gerade rechtzeitig am Berg an um mich mit einem lauten „FALSCHHHHHHH“ drauf hinzuweisen, dass ich gerade den falschen Weg hochrenne. Wobei man fairer Weise sagen muss, dass die Absperrung runtergerissen war. Also gut, dann eben mit brennenden Beinen umdrehen, eine Mitläuferin das zweite Mal überholen und weiter die letzten Höhenmeter hinaufrennen. (Die meisten Läufer sind mittlerweile zum Gehen übergegangen, aber sowas kommt bei mir nicht in die Tüte!)… noch über zwei Schneepassagen, und endlich das Ziel. Jetzt noch kurz die Materialkontrolle durchführen lassen, denn der Lauf findet in Semi-Autonomie statt und man muss ein bisschen Pflichtmaterial (Jacke, Wasser, Pfeife, Rettungsdecke,…) mitnehmen. Nach einem kurzen Abliegen in der Sonne dann zum Wichtigstem nach so einem Lauf, na was kann das sein?…. Klar: POMMES! (Übrigens die teuersten, die ich je gegessen hatte mit 15 SFr, aber man gönnt sich ja sonst nichts).

 

Fazit: Ein super schöner Lauf, aber sicherlich der anspruchsvollste und anstrengendste, den ich je gemacht hatte. Ich bin übrigens in 5h 26 durch und somit 13. gesamt und 11. in der AK bei den Frauen.