12 h-Lauf in Basel

Ein Bericht von Mario Knöfel.

 

Vorgeschichte 2017.

Da war die Idee, an einem 12-Stunden-Lauf in Basel teilzunehmen. Überzeugt von mir selbst, meldete ich mich an. Mit genug Marathon-Wettkämpfen, einigen 6-Stunden-Trainingsläufen in der Tasche und einem guten Gefühl zum Startzeitpunkt musste ich nach wenigen Stunden aufgeben. Das erste und bisher einzige DNF (Did Not Finish) nahm mir vor einem Jahr fast alles, was ich mir bis dato aufgebaut habe. Der Kopf spielte nach etwas mehr wie 42 km nicht mehr mit und selbst herangeeilte Freunde konnten mich nicht dazu bringen, weiterzumachen. Die ersten Tage wollte ich wirklich die Laufschuhe an den Nagel hängen.

Doch dann kam dieses Gefühl auf. Was wäre wenn..? „Du kannst nicht wissen, wozu du fähig bist, ohne es versucht zu haben“, riet mir eine gute Freundin. „ Ultras werden ganz anders gelaufen, als alles darunter.“

Mentale Kraft war das, was mir fehlte. Der Erzfeind ‚Müdigkeit‘. Laufen bei Nacht. Start in der Nacht.

Ich wollte es wissen, und fing mit Nachtlauftraining an. Jetzt erst recht! Und es klappte. Den Nachtultra hatte ich mit 56 km bei den Bieler Lauftagen 2017 erfolgreich durchgelaufen. Und da war er wieder – der Ehrgeiz, es nochmal in Basel zu versuchen. Es gab eine offene Rechnung und ich meldete mich 2018 erneut für den 12-Stundenlauf 2018.

Der Lauf 2018.

30. Sri Chinmoy 12+24 Stunden-Lauf mit Schweizermeisterschaften im 24 Stunden-Lauf

Sportanlage St. Jakob Basel

 

 

Der Start der 12-h-Läufer erfolgt Punkt 00:00 Uhr Mitternacht vom Samstag auf Sonntag. 12 Stunden zuvor waren die 24h-Läufer unter herabknallender Sonne gestartet. Doch das Wetter änderte sich rapide. Der Himmel zog sich während der Dämmerung immer weiter zu. Ein Blick auf die Meteo-App lies nichts Gutes erahnen. Ein heftiges Gewitter braute sich über dem Dreiländereck zusammen, welches sich pünklich zum Start entlud. Ich bin ein sehr guter Regenfreund, aber was da aus dem Himmel kam, machte mir Sorgen. Aber der Startschuss ertönte. Gedanken, Gefühle schaltete ich ab. Es ging los.

Das Wasser kam wie aus Eimern aus dem pechschwarzem Himmel. Blitze zuckten, Donner grollten. Noch nie war ich unter solchen Umständen zu Fuss unterwegs. Doch hier kam meine berufliche Leidenschaft hinzu. Ganz ruhig, Mario, ermahnte ich mich selbst. Die Anlagen sind gut blitzschutzgeerdet. 2 Stadien unmittelbar nebeneinander. Schwimmbad nebenan. Der sicherste Ort ist hier. Und so war es auch. Nach ca. 2 Stunden war der Spuk vorbei und es regnete nur noch.

Wenn man lange unterwegs ist, kommen ab und zu die verschiedensten Gedanken – Tausend Fragen schossen durch den Kopf. Hält der neue  Laufschuh, der gerademal 10 km auf der Sohle hat? Wenn ja, auch bei Nässe? Neue Laufsocken hatte ich auch an. Aber keine Ahnung, wie der sich durchnässt aushalten lässt. Was mach ich jetzt? 10 Stunden noch zu laufen. An trockene Wechselwäsche hatte ich gedacht. Aber was ist, wenn es erneut solchen Starkregen gibt?

Ich entschied mich für keinen Kleiderwechsel, stattdessen kämpfte ich gegen die Nacht. Insbesondere die Müdigkeit. Denn ich hatte mir vorgenommen, vorher ein paar Stunden zu schlafen. Dank der Aufregung konnte ich keine Minute vorher schlafen. Das gleiche Problem wie letztes Jahr.

Déjà-vu.- Oh nein. 

Ausblenden.

Laufen.

Immer weiter.

Runde für Runde.

Mach Pausen. Ess was, Trink was.

Das tat ich dann auch. Wie in Trance lief ich immer weiter. Irgendwann habe ich die 1.1 km langen Runden aufgehört zu zählen. Schaute nur noch auf die Uhr. Der Morgen graute in einem Grau, das ich vorher noch nie gesehen habe. Ich war seit 5 Stunden unterwegs, die mir vor kamen wie 30 Minuten. Wahnsinn. Ich schaff das tatsächlich, sagte ich zu mir, und dabei war es mir völlig egal, ob ich leise oder laut zu mir gesprochen habe. Dieses Gefühl brachte so viel Adrenalin mit sich, das die Rundenpace zeitweise sogar anzog.

Der schönste Sport, den es gibt, grinste ich.. Und jedes Mal, wenn ich am Start-Ziel-Bereich vorbei lief, klatschte und jubelte das Organisationsteam. Es war fantastisch. Kurz danach waren Zelte mit Verpflegung aufgebaut. Es war für jeden alles dabei. Verschiedene Kalt- und Heissgetränke, Kuchen, Kekse, Obst, Brote, Nüsse, ja sogar Schokolade.

Ich liebe Ultras  🙂

Sehr gut durchorganisiert. Sehr herzig. Sehr familär. Man kennt sich. Viele kennen sich untereinander. Man spürt das.

In den letzten 4 Stunden war für mich das Wetter insoweit gut, sodass ich die Regenjacke auszog und nur noch kurz lief. Die Müdigkeit war weg, als gebe es sie nicht. In der letzten Stunde kam allerdings der Wind zurück und drängte mich zurück in die Jacke. Schlussendlich ertönte für mich nach 84 km das Ziel-Horn. Auf einmal waren 12 Stunden vorbei. Ich konnte es nicht glauben. Ich habe das Ding hinbekommen.

Ich habe zwar vieles falsch gemacht, aber besser gemacht als letztes Mal.

Die Rechnung wurde beglichen!

Das war mein 21. Offizieller Marathon/Ultramarathon mit der 2. Längsten Distanz und davon in der zweitbesten Zeit, die ich je gelaufen bin. Es gibt also noch viel Luft nach oben 🙂