Rundendrehen in Rheinfelden

Der Lauftag in Rheinfelden mit seinem Halbmarathon und seinem 10km-Lauf ist grundsätzlich nichts Besonderes. Die Strecke eher langweilig, das Wetter meist grau und wenn man Pech hat, bläst einem auf dem offenen Feld der Wind kräftigst um die Ohren. Aber dennoch hat dieser Lauf seinen Reiz. Es ist eine Veranstaltung ohne Schischi und Schnickschnack, auf das reduziert, was Läufer für ein gutes Rennen geradeso brauchen: Eine flache Strecke und eine Zeitmessung, liebevoll organisiert vom ortsansässigen Verein LCM Rheinfelden. Entsprechend auch der günstige Startpreis und Nachmeldungen sind problemlos bis kurz vor dem Start möglich.

Selbst die Startnummer ist auf das Wesentlichste reduziert, nämlich auf die Nummer, sonst nichts. Kein Energieversorger, kein Autohersteller und keine Bank finden auf dem Papier einen Platz mit ihrem Logo. Irgendwie ist das auch mal schön. Und Finishershirts? Auf die verzichtet man in Rheinfelden auch, gut so, man hat bereits genug Nachthemden und Putzlappen zu Hause. Und auch bei den Verpflegungsstellen lassen die Rheinfeldener keinen Energieriegelhersteller seinen ungesunden Zuckerkram verteilen, Wasser und Tee, basta! Mehr braucht man auch nicht, das ist wirklich mal erfrischend, fast schon befreiend.

Mir selbst war erst einige Tage zuvor klar geworden, als was ich am Lauftag teilnehmen sollte. Es gab reichlich Auswahl: Als Wettkampfläufer, als Trainer, als Pacemaker, als Genussläufer, als Zuschauer und Supporter oder einfach als Fotograf. Ich entschied mich für eine Mischform aus Trainer, Pacemaker und Fotograf, das war wohl die anstrengenste Variante.

Los ging es erst einmal als Trainer, 35 km standen bei Gudrun auf dem von mir erstellten Trainingsplan, also da durfte ich nicht kneifen. Und so wurden vor dem Halbmarathon bereits 7 Kilometer gelaufen, noch relativ gemütlich. Es kam sogar etwas die Sonne hervor und die Laufbedingungen waren geradezu ideal! Wer dann an der Startlinie dachte, wir hätten die längste Einlaufrunde gedreht, der kennt unsere Serena nicht. Sie kam mit 15 Kilometern auf dem Konto zum Start ins Europastadion.

Jetzt bekamen Gudrun und ich ersteinmal eine neue Aufgabe, nämlich Anja bei ihrem Vorhaben, den Halbmarathon mit einer Pace von 4.40/min pro Km zu absolvieren, als Lokis zu unterstützen. Naja, und Serena musste ja auch unterhalten werden, zudem sollte der eine oder andere Moment noch fotografisch festgehalten werden, Langeweile auf den 21km des Halbmarathons war also nicht zu erwarten.

Die Strecke ist etwas gewöhnungsbedürftig, erst werden zwei kleine Runden von ungefähr 3 Kilometern gelaufen, dann geht es noch zweimal auf eine grosse Runde von knapp über 6 Kilometern. Die einzige Steigung des Kurses ist eine Autobahnüberquerung, zum Glück befindet sie sich ausschliesslich auf der grossen Schlaufe.

„Wow, ein schönes Team“ ruft ein Streckenposten, ich bin mir sicher, dass er damit die drei Mädels hinter mir meinte. Aber es sah in der Tat toll aus, ein BRC-Zug auf der Halbmarathonstrecke. Jason, Jose, Thomas und Ferhat waren derweil bereits weit enteilt, Edith zuerst auch, aber dann verschwand sie bald im Feld hinter uns, mal wieder zu forsch gestartet, aber das war halb so schlimm, sie sollte ein tolles Ergebnis einlaufen.

Und so drehte unser „schönes Team“ so seine Runden, jedes Mal angefeuert von unseren treuen Fans Astrid, Martin (inklusive Kuhglöckchen), Helen, Lisa, Onur, Mario und vielen Anderen! Danke für die tolle Unterstützung! Sehr positiv fielen die Streckenposten mit ihren rot-weissen Fahnen auf, unsere Clubfarben, juhuu!

Anja machte derweil ihre Sache perfekt, Gudrun war sehr darauf bedacht, dass sie das Tempo hielt und das taten die beiden wie ein Uhrwerk! Derweil entschieden Serena und ich, wer heute die Pace-Cow ist, nun, die Entscheidung fiel bei solch toller Arbeit nicht schwer, Gudrun musste herhalten.

Nachdem die ersten beiden kleinen Runden geschafft waren und die erste Lange dem Ende zuging, waren die Kilometer bereits deutlich zu spüren. Es kam überraschend doch ein Wind auf, noch nicht mega stark, aber dennoch störend, so dass ich mich vor Anja platzierte und versuchte ihr ein wenig Schutz zu bieten.

Die letzte Runde war bereits eingeläutet und die Anstrengung war jetzt deutlicher zu spüren. Serena hatte sich bei Kilometer 11 auf den Weg gemacht, sie lief die letzten 10 Kilometer in ihrer Marathonpace, das sollte eine 4:15 gewesen sein. Von Weitem konnte ich sehen, wie die Singapor Running Machine zu Thomas und Ferhat aufschloss, aber wohl nur für kurze Zeit.

Nun war es Zeit, Anja auf Pace zu halten, es fiel ihr sichtlich schwerer. Aber das ist gegen Ende natürlich normal, der Speed ging auf einem Kilometer etwas zurück, aber dann fand sie wieder hinein und bis ins Ziel lief sie die letzten 1000er perfekt in time! Von hinten versuchte noch eine Konkurrentin auf sie aufzuschliessen, es sollte ihr nicht gelingen, Anja schaffte ihren Halbmarathon zum ersten Mal unter 1:40!

Die Freude im Ziel war entsprechend gross, für Gudrun und mich stand allerdings der nächste Rollenwechsel bevor: Es wartete nochmals die grosse Runde, schliesslich standen 35 KIlometer auf dem Trainingsplan und die letzten 6 davon in 4:15 min/km! Eine harte Kiste, wenn bereits alle im Ziel sind, nochmals loszurennen. Und dann noch deutlich schneller, obwohl die Beine bereits sehr schwer sind. Zum Glück waren die 10km Läuferinnen und Läufer noch unterwegs und wir reihten uns ganz bald bei der späteren Zweiten des 10km Laufs ein und zogen gemeinsam in Richtung Stadion zurück. Und so flogen auch die harten letzten Kilometer nur so dahin und dann war es geschafft!

Bei der späteren Siegerehrung gab es viel Jubel vom BRC-Tisch:

1 x Bronze im Gesamtklassement durch Martin Schädle beim 10km-Lauf!
Und dann 3 x Gold, 5 x Silber und 3 x Bronze in den Kategorien!

10km-Lauf

Martin Schädle wurde beim 10km-Lauf Gesamt Dritter mit einer tollen Zeit von 34:39 und gewann die AK M30!
Salva Climent holte in der M35 Silber mit 37:34
Lisa Ross-Magenti holte Bronze in der W50 mit 53:39

Halbmarathon

Hannah Grant holte Gold in der W35 mit 1:33:23
Serena Teoh holte Silber in der W30 mit 1:34:41
Anja Schöpfer holte Silber in der Hauptklasse mit 1:39:29
Gudrun Dyck von Gunten holte Bronze in der W30 mit 1:39:30
Edith Sutton holte Silber in der W50 mit 1:45:40
Marina Perich wurde 4. in der W30 mit 1:50:20

Jason George holte Gold in der M55 mit 1:25:22
José Navarro wurde 5. in der M40 mit 1:27:17
Peter Cook holte Silber in der M55 mit 1:34:27
Ferhat Barihas holte Bronze in der M55 mit 1:35:59

Thomas Gerber finishte beim Halbmarathon, ist in der Rangliste aber leider nicht aufgeführt?