Heisse Sache in Thun

Eine Stadt, in der die Hitze sich in den Gassen und Strassenzügen festgesetzt hatte, das war Thun am vergangen Samstag. Wenn man aus dem Zug ausstieg, lief man regelrecht in eine heisse Wand. Es roch nach Asphalt und allem, was man halt so in einer Stadt zu riechen bekommt, gewollt oder ungewollt.

Genau meine Bedingungen eigentlich, ich mag das, wenn das Bitumen so richtig von unten brennt, so ist das halt mal im Sommer. Ich hörte sie schon wieder, diejenigen, die ab 25 Grad aufwärts jegliche Bewegung verweigern, aus lauter Angst, sie würden überhitzt kollabieren. Nun, für die hätte ich einen Tip: Nach Andermatt auswandern. Da kann es das ganze Jahr über schneien.

Ja nun, diese Sorte war ja in Thun gar nicht beim Stadtlauf dabei. Diejenigen die sich unweit des Bahnhofs im Startblock einreihten stellten sich dieser Herausforderung und als der Start um 19:20 Uhr erfolgte, war die Sonne bereits hinter dem Stockhorn verschwunden und es wurde etwas kühler.

Was machte ich eigentlich beim Thuner Stadtlauf? Loki für Gudrun, denn sie wollte zumindest eine neue PB auf den ausgeschriebenen 10km herauslaufen und dabei wollte ich sie unterstützen. Die Hitze dieses Sommerabends machte das für sie nicht gerade zu einer leichten Aufgabe.

Meine grösste Sorge zuerst einmal: Das Startgewirr bei einem schnellen Stadtlauf wie diesem. Ganz überraschend war dies aber völlig unbegründet, völlig unproblematisch ging es los, ohne jegliche Berührungspunkte mit irgendwelchen Laufkaspern oder überambitionierten Trainingsweltmeistern. Nein, alle waren diszipliniert und fair unterwegs, super so.

Zuerst einmal läuft man vom Bahnhof bis zum Schadaupark am Thuner See. Ein herrliches Fleckchen mit tollen Ausblicken und sehenswerten Bauten. Leider hat man bei einem 10er nicht die Musse dazu, aber hin und wieder schaut man sich mal um. Die Runde vor der Stadt verläuft am See entlang über Schotterwege mit teilweise engen Kurven, dennoch ist sie akzeptabel zu laufen, einzig auf die eine oder andere Unebenheit muss man achten.

Nach 4 Kilometern gelangt man wieder in die Nähe des Starts und damit in die Thuner Innenstadt. Hier ist tolle Stimmung und es geht Eck um Eck durch die winkligen Altstadtstrassen. Bis dorthin ist die Strecke komplett flach, ab dem fünften Kilometer ändert sich das allerdings abrupt, es geht nämlich hinauf zum Schloss. Obsi, wie man im Oberland sagt, gehts mit steilen Treppenstufen und mächtig Lärm aus Kuhglocken, was ein Spektakel! Spätestens hier ist klar: Bestzeiten kann man in Thun nicht laufen. Nach ungefähr 500m ist Schluss mit obsi und es geht sofort nidsi, nicht ganz so steil und zum Glück ohne Treppen. Dafür fordern die Kurven bei dem hohen Tempo eine gute Laufkontrolle. Wer hier bremst, verliert.

Bei Kilometer 6 ist der Spuk vorbei und man läuft wieder auf normalem 10km Rennterrain. Und das bleibt bis zum Ziel so. Zweitausend lange Meter gehts noch einmal aus der Altstadt heraus um dann am Aarequai wieder in die Altstadt zurück zu laufen. Die Stimmung ist auf dem letzten Kilometer richtig gut, ein Höllenlärm, bis schliesslich am Rathaus das Ziel erreicht ist!

Gudrun schaffte die neue 10er PB, lief im Gesamtklassement unter die Top Ten (7.) und in ihrer starken Altersklasse W30 nur knapp hinter der Siegerin auf den 2. Platz, super! Annalena, Gudruns Tochter, absolvierte übrigens ihren allerersten Lauf, 700m, mit Bravour! Die erste Frage beim Zieleinlauf: „Laufen wir noch einmal?“ – Gudrun fragte mich das nach dem Zieleinlauf des 10ers komischerweise nicht!

Mir gefällt der Thuner Stadtlauf, trotz der Schlossbesteigung ein toller Kurs. Und vor allem unstressig, mit dem Zug super zu erreichen und toll organisiert! Und Thun ist wirklich eine schöne Stadt, das wäre eine Sache für einen BRC Ausflug. 5km sind auch möglich und auch ein Schlosssprint gibt es im Rennprogramm.

Fazit: Den werd ich wieder machen!