Interview Nr. 18 mit Marek Stössinger

Wann und wo bist du zum Laufen gekommen?

Eigentlich hat mir das Laufen schon als Kind und Jugendlicher Spass gemacht – auch wenn ich das nicht immer wusste. Als Kind war ich im Grenzacher Leichtathletikverein. Das einzige, das einigermassen gut geklappt hat, waren die 1000m auf der Bahn. Als Jugendlicher lief ich sporadisch bis zu 15km-Strecken – nicht schnell, nicht sonderlich ambitioniert, aber gerne. Bis Mitte/Ende zwanzig hatte ich mit dem Laufen und Sport nicht sonderlich viel am Hut und verbrachte meine Zeit lieber mit Bandproben oder den anschliessenden Kneipenbesuchen. Erst als ich 2009 gefragt wurde ob ich beim Basler Firmenlauf starten möchte begann ich konstant zu trainieren.

 

Was waren deine persönlichen Highlights beim Laufen/an Wettkämpfen?

Oh, da gab es etliche. Einige davon dieses Jahr. Generell mag ich am Laufen das locker leichte und manchmal wie in Trance versetzte dahin «fliegen». Wenn das mal gelingt ist es ein Highlight. Was Wettkämpfe angeht, so haben es mir vor allem die längeren Distanzen, ab Marathon, angetan. Natürlich war mein erster Marathon 2012 in München ein Highlight (3:10) und ebenso mein schnellster 2017 in Frankfurt (2:52). Die Höhepunkte, die dieses Jahr folgten, waren mehr emotionaler Natur und weniger von schnellen Zeiten geprägt. Meine 100km in Biel standen wortwörtlich auf wackeligen Beinen. Hatte ich doch in den Wochen vor dem Wettkampf starke Probleme mit meinen Adduktoren und dem rechten Quadrizeps, was mir dann in Biel nach 68km auch eine 12km Wanderung eingebrockt hat. Zum Glück habe ich es dann ab Km 80 wieder geschafft zu laufen und konnte nach 10,5 schwerfälligen Stunden finishen.

Das letzte Highlight waren die 50 Meilen, die ich im August zusammen mit Mona in Kanada lief – beeindruckende Gegend – wahnsinnige Stimmung. Es war auch sehr schön, zusammen mit Mona zu laufen und das Rennen nicht allzu verbissen zu sehen.

 

Was hast du noch für Ziele im Laufen?

Naja, Biel lief nicht ganz so super. Da habe ich noch eine Rechnung offen, aber das eilt nicht…
Da ich dieses Jahr doch sehr mit einigen Wehwehchen zu tun hatte, möchte ich mich wieder verstärkt dem Triathlon widmen. Das abwechslungsreiche Training verhindert, dass einzige Muskeln zu sehr leiden müssen. Bereits 2014/15 hatte ich gute Erfahrungen damit gemacht. Natürlich bleibt das Laufen auch hier meine favorisierte Disziplin. Ich werde im Juni bei der Mitteldistanz in Heilbronn starten und versuchen einen Startplatz für den Inferno Triathlon im August zu ergattern.

Gerade mit letzterem versuche ich Trailrunning und Triathlon zu kombinieren. Dort blühen mir 3,1km schwimmen durch den Thuner See, 97km mit dem Rennrad über diverse Berge, 30km Mountainbiken und zum Abschluss 25km zu Fuss auf das Schilthorn (von 900 auf 2900hm). Natürlich werde ich im Rahmen der Vorbereitung bei einigen Lauf-Wettkämpfen an den Start gehen. Das sollte dann für nächstes Jahr reichen.

 

Wie bist du zum BRC gekommen?

Nun, die rot-weissen Trikots zusammen mit den super Platzierungen sind mir natürlich schon seit langem aufgefallen. Da Mona und ich letztes Jahr nach Binningen gezogen sind, knapp zwei Kilometer zur Schützenmatten haben und gerne auch in der Gruppe laufen, lag das einfach nahe. Und wir freuen uns beide sehr diesen Schritt gegangen zu sein.

 

Was gefällt dir besonders beim BRC?

Was ich innerhalb dieses Jahres an Begeisterung, Enthusiasmus und Professionalität erfahren habe, beeindruckt mich sehr. Sehr auffällig war dies auch in dem Trainingslager im vergangenen März auf Mallorca. Es ist alles top organisiert und sehr sympathisch und ehrlich. Dazu kommen die vielen unterschiedlichen Nationen und Leistungsniveaus. Es ist echt ein toller Mix und ein super Verein.

 

Was ist deine Lieblingswettkampfdistanz und -Wettkampf?

Wie gesagt: Alles was lange dauert und in einer schönen Umgebung stattfindet, motiviert mich zum Trainieren. Allerdings weiss ich auch, dass kurze Wettkämpfe für die nötige Grundschnelligkeit sorgen, die die langen Sachen etwas einfacher macht.

 

Was läuft bei dir während einem Rennen jeweils im Kopf ab?

Ich versuche im Kopf meist locker zu lassen und nicht zu sehr auf aufkommende Schmerzen und Ermüdung einzugehen. Lange Distanzen unterteile ich oft in Zwischenziele, z.B. Verpflegungspunkte um sie kurzweiliger zu gestalten.

 

Du bist dieses Jahr zusammen mit Mona einige Ultras gelaufen. Was fasziniert dich daran und wie bereitet man sich auf einen Lauf über 100km vor?

Das, was bei diesen langen Kanten abschreckt, ist zugleich das, was mich daran fasziniert: Der Umgang mit der Monotonie, der stärker werdenden Ermüdung und dieser nicht enden wollende Wettkampf. Das Lauftempo ist meist das gleiche wie bei einem lockeren Dauerlauf, nur halt etwas länger.

Natürlich fällt das Training deutlich leichter, wenn man das oft zusammen mit seiner Partnerin machen kann. So bleibt nichts auf der Strecke und wir können uns super gegenseitig motivieren.

Die Vorbereitung ist eigentlich sehr ähnlich wie ein Marathontraining. Mit HIIT-Einheiten, Intervallen, Tempoläufen, Lauf-ABC und Krafttraining. Der Fokus liegt natürlich auf den Ausdauereinheiten, die am Wochenende mit einem langen Lauf gekrönt werden. Der ist allerdings auch nur in Ausnahmefällen länger als drei Stunden. Meine Trainingsumfänge in der Woche lagen zwischen acht und 12 Stunden. Wirklich viel weniger hatte ich im Rahmen meiner Marathon- oder Triathlon-Vorbereitung auch nicht.

Der Kopf ist meines Erachtens der entscheidend limitierende Faktor. Den kann man mit etwas Lektüre und Filmen von diversen verrückten Ultra-Läufern wie Scott Jurek, Kilian Jornet oder auch Jim Walmsley «trainieren». Wenn andere noch viel mehr können, dann kann ich doch auch ein Bisschen mehr.

 

Und ganz wichtig nach so langen Distanzen: Wie entspannst du nach einem Wettkampf?

Es ist immer schön, wenn man verschiedene Hobbys und somit Ventile hat. So spiele ich immer noch gerne Gitarre, fotografiere etwas, und bin auch so gerne in der Natur. Da ich seit einigen Jahren Vegetarier bin, befasse ich mich auch gerne mit der Ernährung und koche sehr oft. Ich versuche am Ende der Saison wenigstens zwei bis drei Wochen keinen Sport zu machen und danach erst wieder locker anzufangen. Das fällt nicht leicht, ist aber essenziell, um wieder eine gute Form für künftige Abenteuer aufzubauen. Auch breche ich mir keinen Zacken aus der Krone, wenn ich mal mit einem 6er oder 7er Schnitt trabe. Das ändere ich dann schon wieder zu gegebener Zeit.