Interview Nr. 17 mit Thomas Gerber

Wann und wo bist du zum Laufen gekommen?

Früher war ich nicht allzu sportlich, habe zwar jahrelang amateurmässig Fussball gespielt, aber auch lange geraucht und die Waage zeigte einige Kilos mehr an als heute. Als rechter Aussenverteidiger brauchte ich eben nicht so eine Riesenkondition und konnte mich während den 90 Minuten immer wieder mal ausruhen und an der Seitenlinie ‚verstecken‘.

2002 ist es dann mit dem Joggen losgegangen. Ein ehemaliger Arbeitskollege – selber ein begeisterter Marathonläufer – hat mich dazu animiert, in der Mittagszeit anstatt in der Bäckerei oder im Restaurant reinzuhauen zum Laufen mitzukommen. Für mich war dies anfangs unvorstellbar. Warum sollte ich einfach so und ohne Ball planlos in der Gegend umherrennen? So habe ich mich lange dagegen gesträubt. Mein Kollege war zum Glück aber hartnäckig und hat insistiert und so rannten wir bald einmal 10 km der Birs entlang. Er nahm keine Rücksicht, er zog die 10 km beim allerersten Training einfach durch. Dafür erhielt er Übernamen ‚Feldweibel‘! Weitere Läufe folgten durch die schöne Eremitage oder Richtung Angenstein – selbstverständlich nie unter 10 km! Das war anfangs natürlich für mich sehr anstrengend und mühsam. Den Nachmittag verbrachte ich dann jeweils meist mit hochroten Kopf und total kaputt im Büro.

Bald schon nahm ich am ersten 10 km-Lauf (2002 Klausenlauf in Allschwil) teil. Am zweiten 10 km-Lauf im darauffolgenden Frühling war ich fast 5 Minuten schneller. Dann machte es bei mir endgültig ‚klick‘. Ich sah, dass ich mit regelmässigen Training rasch schneller wurde und auch die Kilos schmolzen nur so weg. Im September 2003 absolvierte ich dann am Greifenseelauf meinen ersten Halbmarathon und im April 2004 bereits den ersten Marathon in Zürich. Seither laufe und laufe ich und kann mir ein Leben ohne Joggen nicht mehr vorstellen. Es ist zu einer Gewohnheit – oder gesunder Sucht – geworden.

 

Was waren deine persönlichen Highlights beim Laufen/an Wettkämpfen?

Da ich langsam in die Jahre gekommen bin, schaue ich – auch mit ein bisschen stolz – gerne auf meine Bestzeiten zurück. Leider habe ich es im Marathon nie unter 3 Stunden geschafft. Und hier gilt das Sprichwort, ‘was nicht ist, kann noch werden’ glaube ich nicht. Eine 4:15er-Pace über 42,195 km liegt leider nicht mehr drin bzw. würde einen derart hohen Trainingsaufwand bedeuten, den ich zeitlich und auch körperlich nicht mehr stemmen kann. Ich bereue, dass ich erst im Alter von 36 Jahren mit Laufen begonnen und früher nicht so ‘seriös’ gelebt habe.

Persönliche Highlights waren sicher der Edinburgh Marathon und der Zermatt Halbmarathon. Aber auch die vielen tollen Vereinsmarathonreisen, Trainingslager in Malle oder die Saar-/Mosel-Läufe bleiben in allerbester Erinnerung. Und bei einem Marathon zu finishen ist halt schon ein sehr spezielles und emotionales Erlebnis, vor allem beim Berlin Marathon mit dem Lauf durch das Brandenburger Tor.

 

Was hast du noch für Ziele im Laufen (Wettkämpfe/Zeiten)?

Nach meinen letzten Erfahrungen und dauernden Verletzungen wollte ich ehrlich gesagt dieses Jahr mit dem Marathonlaufen aufhören. Im April in Leipzig ist es mir aber ohne grosses spezifisches Training sehr gut gegangen – auch nachher noch, so dass es mich wieder richtig gepackt hat und ich nächstes Jahr einen oder zwei Marathons anhängen möchte. Zudem möchte ich im Halbmarathon nochmals richtig Gas geben.

 

Wie bist du zum BRC gekommen?

Da ich schon bald strukturierter und in der Gruppe trainieren wollte, trat ich bald einem Lauftreff in Liestal und später einem Laufverein in Basel bei. Ich geniesse die Läufe alleine in der schönen Natur, aber in der Gruppe zu trainieren macht halt schon mehr Spass und ist fordernder. 2016 entschlossen wir uns dann aus verschiedenen Gründen, einen eigenen Laufclub zu gründen und so entstand im April 2016 der Basel Running Club BRC. Als Gründungsmitglied durfte ich von Anfang an den BRC mitgestalten. Diese Phase war sehr spannend, aber natürlich war ich zu Beginn auch sehr skeptisch. Wir standen ja anfangs quasi mit nichts da, mussten einen passenden Namen und Vereinsfarben mit Logo bestimmen, Statuten erstellen, einen Vorstand ernennen, dringend Trainingsplätze und Garderoben suchen. Und Homepage und Geld waren auch nicht vorhanden. Im Mai 2016 fand dann das erste Training statt und der BRC entwickelte sich bis heute fantastisch (siehe nächste Frage).

 

Was gefällt dir besonders beim BRC?

Am meisten gefallen mir beim BRC natürlich die tollen und sympathischen Kolleginnen und Kollegen. Wir sind eine tolle, lebhafte, laute, lustige, internationale und schnelle Truppe und die Stimmung ist einfach fantastisch. Freuen tun mich aber natürlich auch die Resultate und Erfolge, welche die Mitglieder erzielen. Es ist unglaublich, was da für Leistungen erbracht wurden, seien es Siege, Podestplätze, Ultra(berg)läufe oder auch Halbmarathon- oder Marathonpremieren. Und natürlich schätze ich die qualitativ hochstehenden Trainings unseres versierten Trainingsteams. Auch die Entwicklung der Mitgliederzahl freut mich natürlich sehr, laufend kommen neue und sehr sympathische Kollegen und Kolleginne dazu, dies spricht sicher für die geleistete Arbeit von allen.

Beim BRC gilt das Moto – Qualität kommt vor Quantität – und dies spürt man beim BRC auf allen Ebenen.

 

Was ist deine Lieblingswettkampfdistanz und -Wettkampf?

Ganze eindeutig Halbmarathon.

 

Welches ist dein absolutes Lieblingstraining?

Ich mache (und leite) sehr gerne Fahrtspiele. Dann liebe ich auch regenerative oder normale Dauerläufe durch die schöne Region, insbesondere in Richtung Bruderholz oder Schönmatt oder dem Rhein entlang. Und nach wie vor Spass machen mir die Intervalltrainings, sogar an den berüchtigten 17 x 400 m, auch wenn nicht mehr so schnell bin und den Jungen hinterherhechlen muss.

 

In Rom musstest du nach nur 1km verletzungsbedingt den Marathon aufgeben. Wie gehst du mit einer solchen Enttäuschung um? Hast du Tipps?

Ja, das war sehr hart, vor allem nach einem 3-monatigen spezifischen Marathontraining. Leider war es nicht das erste Mal, dass ich mit muskulären Problemen zu kämpfen hatte. Auch Arztbesuche, Laufschuhberatung, Laufstilanalyse, Physiositzungen etc. brachten keine eindeutige oder länger anhaltende Besserung. Es war richtig ärgerlich – immer wieder hatte ich Zerrungen oder sogar Muskelfaserrisse, vor allem in den Waden.

Seit letztem Herbst kann ich allerdings wieder durchgehend beschwerdefrei laufen. Wahrscheinlich ist es die Kombination (vermehrtes Krafttraining, regelmässiges Dehnen, Blackroll, Lauftechniktraining etc.) die es ausmacht. Und – dank dem super Tipp von Gudrun – gehe ich in die Thai-Massage. Ich bin überzeugt, dass mir dies viel bringt. Die Masseurin drückt mir jeweils unter grossen Schmerzen die verhärteten Stellen raus und so kann ich Verletzungen vermeiden. Die Adresse gebe ich auf Nachfrage gerne weiter.

 

Was sind deine sonstigen Hobbies und was machst du beruflich?

Neben dem Laufen mache ich sonst noch gerne Sport – gehe  regelmässig ins Boxfitness und Functional Training und spiele hobbymässig noch Unihockey, was alles richtig Spass macht und ein guter Ausgleich zum Laufen ist (Stichwort Hüftkräftigung). So bin ich – neben 100 % Arbeit – oft von zu Hause weg. Deshalb geniesse ich die gemütlichen Stunden zu Hause mit meinen Lieben umso mehr. Oft gehe ich mit meiner Frau und Tochter spazieren und wandern – seit Februar leider ohne unser liebes Hundilein – und wir machen gerne Karten- und Brettspiele. Weitere Hobbies: Fein essen, Reisen (ich liebe das Meer über alles; Lieblingsdestination: Malediven), Schwimmen und Tauchen, Velo fahren, Lesen, Gartenarbeit (neh, dies ist Pflicht…) etc.

Ach ja, und arbeiten tue ich auch noch und zwar als sogenannter Untersuchungsbeauftragter bei einer Strafverfolgungsbehörde. Es ist noch schwierig zu erklären, was ich so den ganzen Tag mache. Einfach gesagt führe ich jeweils unter der Leitung einer Staatsanwältin oder eines Staatsanwalts Strafuntersuchungsverfahren durch. Dabei leiste ich auch regelmässig Pikettdienst und sehe und erlebe da nicht immer so erfreuliche Sachen. Aber mein Job ist sehr interessant, fordernd und abwechslungsreich. Wer mehr wissen möchte, kann mich im Training gerne darauf ansprechen.