Maren gewinnt den Allmendlauf in Teningen

Wer mit dem Auto auf der A5 von Basel in Richtung Karlsruhe schon einmal etwas höher hinaus kam als Freiburg, der kennt zumindest Teningens Autobahnabfahrt. Mehr eher wohl nicht, ausser man läuft den 10 Kilometer langen Allmendlauf Mitte Januar.

Maren wurde von Herbert Hebek, dem sympathischen OK-Chef des Britzinger Sylvesterlaufs, auf diesen Wettkampf aufmerksam gemacht. Bei ihm steht er als Läufer jedes Jahr fest im Terminkalender. Man schnappe seinen Trainer und läuft das Ding mal mit, dachte sich Maren, schaden kann es ja nicht, dem Trainer auch nicht, der soll sich ja schliesslich nicht langweilen.

Aber was bringt ein 10er Anfang Jahr ohne spezielle Vorbereitung eigentlich, macht das denn Sinn? Es macht, denn es ist eine perfekte Standortbestimmung, bevor es mit dem Training für die Frühjahrssaison so richtig losgeht. Voraussetzung ist allerdings, dass die Strecke genau vermessen und flach ist und gut zu laufen sollte sie auch sein. All das trifft auf die Runde in der Teninger Allmend zu.

2 Grad unter null, höher traute sich die Quecksilbersäule des fröstelnden Thermometers im Breisgau an diesem Sonntagmorgen nicht, so, wie es eigentlich um diese Zeit sein sollte. Die Sonne war hinter einer leichten Wolkendecke irgendwie zu erahnen, aber Unterstützung betreffend der Temperatur war von ihr nicht zu erwarten, leider. Wenigstens windstill war es, aber Maren konnte man fragen was man wollte, die Antwort war stets die Gleiche:

„Na, wie fühlst du dich?“ – „KALT“
„Sollen wir noch ein paar Aufwärmübungen machen?“ – „KALT“
„Magst du noch eine Dattel?“ – „KALT“

Flach, schnell, kurz und kalt – genau das mag sie nicht bei einem Wettkampf – perfekt für eine gute Vorbereitung! Wass soll denn dann im neuen Jahr noch Panik auslösen?

Um 11:10 Uhr standen wir dann im Startblock dieser ungeliebten Distanz und warteten auf den ersten Startschuss des Jahres. Der kam nicht, nur ein kurzes Los, Maren war etwas vom holprig hingenuschelten Startbefehl überrascht, oder vielleicht festgefroren?

Auf einer recht breiten Teerstrasse verteilte sich das hektische 10km-Volk ganz gut, aber man musste dennoch aufpassen. Problemlos waren die ersten 500 Meter absolviert, die Leute waren alle diszipliniert und sportlich fair unterwegs. Kurz vor uns liefen die beiden führenden Frauen, die hatten wir natürlich bereits im Blick. Die Kälte war jetzt schon kein Thema mehr, die Bedingungen eigentlich sehr gut. Der Frost hatte auch etwas Gutes, denn die Strecke verlief nach 2 Kilometern über Naturwege und die waren schön fest gefroren.

Maren hatte mittlerweile die beiden führenden Frauen überholt und bereits gut hundert Meter Vorsprung herausgeholt. Als ich beim Passieren genau hinhörte, war mir klar, die beiden atmeten deutlich höher als unsere BRC-Rakete und wenn alles normal läuft, sollte sie die Sache im Griff haben. Und das hatte sie, der schnellste Kilometer folgte sogleich: 3:42! Nun waren nur noch Jungs um uns herum, aber auch diese Gruppe sprengte Maren mit ihrem hohen Tempo ganz bald auf.

Bei Kilometer 5 wurde es dann aber auch für den Trainer etwas zu schnell: „Lauf dein Tempo, ich muss etwas rausnehmen“. Das sind dann die Momente, die einem als Läufer weh tun, als Trainer freut es einen aber umso mehr, wenn die Sportlerin nach vorne wegzieht, dieses Gefühl überwog und freute mich sehr. Unterstützung brauchte sie ohnehin nicht mehr, nach hinten war keine Frau zu sehen und sie hatte ihren Speed längst gefunden. Der Gedanke, möglichst schnell unter die warme Dusche zu kommen, gab ihr den nötigen Biss bei dem harten anaeroben Tempo. Der Trainer versuchte derweil wenigstens in Sichtweite zu bleiben, das sollte bis zum Ziel gelingen.

Die Strecke war wirklich sehr schnell, keine Brücke, kein Damm oder Ähnliches, wo man kurz hoch müsste, Höhenunterschied +-0, das trifft auf die Strecke in Teningen uneingeschränkt zu. Und die Ecken liessen sich alle auf Zug laufen, auch hier wurde man nicht gebremst. Die Naturwege waren gut und schnell zu laufen, der Frost machte sie schön fest. Eis gab es nirgends auf der Runde, auch das war sehr erfreulich. Ausser den eigenen Leistungsstand gab es also keine Ausrede an diesem Morgen im Breisgau.

Bei Maren gab es da nichts zu beanstanden, sie zog ihr Ding durch, kein Einbruch beim Speed, obwohl sie die zweite Hälfte meist alleine lief. Die langen Geraden im Wald rannten sich grundsätzlich ganz gut, aber sie zogen sich jetzt, wenn man anaerob unterwegs ist tut das richtig weh. Bei KiIometer 9 kommt man im Teninger Allmend dann endlich wieder auf den Asphalt und das Ziel ist schon zu sehen, die Sauerstoffarmut hat gleich ein Ende.

Unsere Rakete lief einen ungefährdeten Sieg entgegen, im Ziel waren es 1:20 Minuten Vorsprung auf Ellen Hermle vom SV Waldkirch. Und auch im Ziel war sie kaum zu stoppen, rannte fast den Zeitnehmer um, der von Hand die Startnummern einscannen musste. Ein paar Sekunden gingen da noch verloren, aber das war nahezu unbedeutend.

Meine erste Frage an sie: “Und, wie wars?“ – „WARM“

Also musste noch ein lockerer Cool Down her bevor es unter die warme Dusche ging. Ein perfekter Start in die Saison – den Lauf sollten wir uns für das nächste Jahr als Standortbestimmung unbedingt vormerken. Die 10 Euro Startgeld sind es allemal wert.

Nach der Siegerehrung war Maren dann beim Verlassen der Sporthalle wieder auf „Normaltemperatur“. Auf meine Frage hin – „Na, wie fühlt sich so ein Sieg zu Jahresbeginn an?“ – kam prompt die Antwort: „KALT“.