Sensationell: Maren wird Zweite beim München Marathon

21096 Teilnehmer waren beim 33. Generali München Marathon gemeldet, schreibt der Münchener Merkur, schaut man genau hin, waren beim eigentlichen Marathon mit 4576 keine Fünftausend am Start, aber immerhin eine recht ansehnliche Zahl. Der Münchner neigt gerne mal zur Übertreibung, dass die restlichen 16000 nur Halbmarathon und Staffel liefen, das war ja erst einmal egal, Laufen taten sie.

Die 8 BRCler, die am Sonntag bei herrlichem Herbstwetter im Olympiagelände am Startbogen standen, liefen alle die volle Distanz, das war eindeutig, und sie sollten auch alle das Ziel im Olympiastadion erreichen, die Einen früher, die Anderen später, die Einen mit mehr Aua, die Anderen mit weniger, wie das halt nach über 42 Kilometern so ist.

Traumwetter in der bayrischen Hauptstadt

Das anspruchsvollste Ziel hatte sich Maren vorgenommen, sie wollte, sofern möglich, die 2:55 Stunden unterbieten, also eine persönliche Bestzeit laufen, der TRainer hätte gerne noch was hinzugesteckt: Gesamtpodest, wenn die Konkurrenz es erlaubt. Davon wollte Maren aber mal vorerst nichts wissen, die Zeit war ihr wichtig. So ist es auch richtig, schliesslich kann man ja einen Marathon nicht plötzlich schneller laufen, weil man einen Podestplatz vor Augen hat. Aber, man kann ein wenig danach schielen und dies kann durchaus auf schweren einsamen Kilometern eine Motivation sein, die auch der Laufzeit dienlich ist. Ich war mir sicher, dass Maren dies auch tat, auch wenn sie es nicht zugeben wollte, denn auch sie hatte sich die Ranglisten der Vorjahre angeschaut und festgestellt, wenn alles gut läuft, ist ein solcher Hammer wirklich drin.

Astrid hatte natürlich ganz andere Pläne: Zum ersten Mal einen Marathon bestehen und zur Marathonläuferin werden, gar nicht so einfach. Salvas Vorhaben waren auch nicht gerade unambitioniert, er wollte so lange wie möglich mit Maren mitlaufen, idealerweise bis zum Ziel, endlich die 3-Stunden-Marke knacken, das wäre super. Die Ratschläge des TRainer wollte er nicht so recht hören, die Pace sei für ihn sehr hoch gewählt und warum nicht 5-8 Sekunden langsamer pro Kilometer laufen und etwas weniger riskieren, das würde für sub 3:00 immer noch gut reichen. Salva fühlte sich für eine 4:05 min pro km bereit, also, dann halt, dranbleiben an unserer Schnellsten.

Dani und Edith reisten ohne grossen Ambitionen in die bayrische Metropole, einfach mal kommen lassen und das Erlebnis mitnehmen, das ist ja auch mal schön und macht zudem Spass. Blieben noch David, Wolle und der Trainer, alle drei waren sie als Tempomacher vorgesehen, David für Maren, Wolle für Astrid und ich für Serena. David wurde in den Vortagen krank, Wolle kämpfte seit Wochen mit einer Verletzung, alles war bis zum letzten Tag unklar. Nach einem kurzem Einlaufen am Samstag Abend entschloss David sich dann zum Start, zumindest über eine gewisse Distanz, Wolle war bereits Tage zuvor wieder bereit und ich als Pacemaker arbeitslos, denn Serena konnte nicht starten, sie hatte sich vor wenigen Wochen eine Verletzung zugezogen, die einen Marathon nicht erlaubte. Ich entschied letzten Endes Maren und David zu begleiten, einen Teil der Strecke, ganz lag nicht drin.

Der Generali München Marathon hatte seine Favoriten bereits im Vorfeld erkoren, so auch bei den Frauen, klar, nur Mädels aus Bayern, wer hätte auch Anderes gedacht. Und so trug die Vorjahressiegerin Bianca Meyer aus München logischerweise die Startnummer 1, zu Recht natürlich. Mit der Nummer 16 war David auch als ganz Schneller erkannt worden, aber er hatte eine Aufgabe bei diesem Wettkampf über die Königsdistanz.

Heroische Musik am Olympiastadion, Kaiserwetter bei wolkenlosem Himmel und Tausende Zuschauer auf den ersten Metern, ein perfekter Mix für einen Start zu einem super Marathon. Und der erste Kilometer lief auch für Maren perfekt, David vermeldete dem vierköpfigen BRC-Express eine 4:04, basst scho, würde der Münchner sagen. Und das Gedränge? Das hielt sich in Grenzen, David lief links neben Maren, dann dahinter Salva und rechts versetzt dahinter ihr Trainer, um ihr den Rücken frei zu halten. Und obwohl es nicht mal so eng war lief dann doch zweimal ein Läufer in meine Füsse. Die Abschirmung war also nicht umsonst, die Androhung an den unkonzentrierten Mitläufer auch nicht, er hielt ab sofort Abstand.

Auf den ersten Kilometern lichtete sich das Feld dann bald und es kehrte etwas Ruhe ein, David hatte die Pace perfekt unter Kontrolle, das musste er auch, wir kennen Maren, wenn die Gas geben will, dann tut sie das, die frägt da niemand! Bei den beiden jungen Wilden musste der Trainer also bei den ersten Kilometern mal ein Auge drauf werfen, aber alles lief perfekt.

Bei Kilometer 5 fuhr dann ein Velo im Feld und erst nach wenigen Augenblicken sah ich das Schild am Lenkrad: Dritte Frau – Marathon, damit wussten wir, Maren war Vierte und lief ganz langsam auf die Konkurrentin auf. Es dauerte auch gar nicht lange und der Velofahrer gehörte ab sofort ihr. Irgendwie tat mir die überholte Läuferin leid, sie konnte Marens Speed nicht mitlaufen, war sie zu optimistisch gestartet? Ich sollte sie später wieder sehen.

Maren hat auf die Drittplatzierte aufgeschlossen.

Maren auf Podestplatzkurs, ich freute mich mega, sie hingegen blieb cool und wollte erst einmal gar nichts davon wissen, auch nicht den Abstand zur Zweiten, der betrug nach 10 Kilometern ca. 250 Meter, das hatte ich über den Funk des Velofahrers vernommen. Ich war mir sicher, dass sie es interessierte, aber natürlich hatte sie recht, nur auf ihre Pace zu achten und somit war ihre Gelassenheit in Bezug auf die Gesamtplatzierung absolut richtig.

Nicht so gelassen wie Maren war meine Oberschenkelmuskulatur, die zwickte schon leicht, obwohl erst ein Drittel absolviert war. Bei Kilometer 15 entschied ich für mich, das Tempo besser zu drosseln, in 14 Tagen steht der Halbe in Lausanne auf dem Programm, da kann ich nicht 14 Tage vorher einen Marathon auf höchstem Niveau rennen und bei Marens Pace wäre das einer. Was eigentlich für Kilometer 25 vorgesehen war, kam halt 10km früher. David gab mir noch kurz zu verstehen, dass er Maren wohl bis zum Schluss begleiten kann und somit war für mich die Reise im BRC-Express beendet. Salva hingegen blieb natürlich dran, zu dritt zog der rot-weisse Zug weiter. Für mich ging es natürlich auch weiter, aber ca. 5-10 Sekunden langsamer pro Kilometer.

Der BRC-Express im Englischen Garten auf Kurs

Bei Kilometer 25 dann die Information von meinen Freunden Sabine und Markus, die in München zu Hause sind und extra an die Strecke kamen: Maren sieht super aus. Das konnten auch Ruth und Julian, die mitgereisten Unterstützer von Astrid und Wolle bei Kilometer 30 bestätigen, und …

… Maren hatte die Zweite bei Kilometer 25 überholt und lag auf Gesamtrang 2! Kurz versuchte die Vorjahressiegerin noch Paroli zu bieten, aber Maren erhöhte das Tempo ein wenig und das Loch war da und wurde sofort grösser.

Für Salva war die Berichterstattung durch Ruth leider nicht positiv, er kam spazierend an ihnen vorbei, erklärte sie, konnte nur noch gehen. Was war passiert? Er hatte Schmerzen an der Fusssohle, so stark, dass er nicht mehr laufen konnte, und wenn, nur noch sehr reduziert. Er hatte am Vortag neue Schuhe gekauft und war damit gestartet, vielleicht die Ursache, zu vermuten ist es. Er sollte den Marathon beenden, aber klar war er enttäuscht. Aber eigentlich gibt es da so einen Tipp betreffend Schuhwerk.

Astrid hatte Wolle als Begleitung – hier bei km 15

Astrid und Wolle hatten ihr Tempo zwischenzeitlich auch etwas reduziert, waren aber gut unterwegs. Beiden war die Anstrengung nun deutlich anzusehen, aber bei Kilometer 30 ist das ja auch normal. Ich hatte zwischenzeitlich zusammen mit Serena gewartet und wir beide liefen ab sofort mit Astrid und Wolle mit. Zuvor hatte ich noch die bei km 5 überholte Läuferin getroffen, sie stand an einer Verpflegung und wir unterhielten uns kurz, die Muskulatur hatte bei ihr zugemacht und der Kopf wollte nicht mehr. Ich konnte sie zum Wiedereinstieg motivieren, begleitete sie bis km 30 und hielt dann bei Serena an. Beim Passieren des Marienplatzes verriet der Sprecher übrigens ihre Herkunft: Sie kommt aus dem Saarland!

Maren war zwischenzeitlich, was die Geschwindigkeit betrifft, mit Abstand die schnellste Frau im Feld. Immer noch konstant in ihrer geplanten Pace unterwegs flog sie zusammen mit David durch die Münchner Innenstadt, was eine Nummer! Und der Vorsprung der Favoritin Susanne Schreindl von der LG Passau schmolz, zwischen 30 und 35 noch wenig, aber dann immer mehr! Und auf Rang 3 wurde das Loch immer grösser. Nun musste auch Maren kämpfen, aber das ist natürlich in der Endphase eines Marathons völlig normal. Aber sie hielt ihre Pace, auch dank David, der einen excellenten Pacemakerjob machte. Die jungen Wilden vom BRC schienen nicht zu bremsen.

Maren auf dem Weg zu ihrem grössten Erfolg – zusammen mit David

Auf den letzten 5 Kilometern konnte Maren der Favoritin nochmals fast eine Minute abknöpfen, aber ihr Vorsprung war bereits zu gross. Als Gesamtzweite des 33. München Marathons lief Maren mit ihrem Pacemaker schliesslich im Olympiastadion ein und wurde von den Zuschauern gefeiert! Was eine Leistung, der BRC ist mega stolz, Maren mit einer Zeit von 2:52:25 auf dem Gesamtpodest eines der grössten deutschen Stadtmarathons! Die zweite Hälfte lief sie mit Abstand am schnellsten, wow!

Und Astrid bei ihrer Premiere? Musste auf den letzten 10 Kilometern nochmals richtig kämpfen, die unerwartet warmen Temperaturen machten ihr zu schaffen, brachten sie aber nicht aus dem Konzept. Als sie die 400m-Bahn des Olympiastadions erreichte, da fühlte sich die ehemalige Mittelstrecklerin zu Hause und gab nochmals richtig Gas. Gratulation zur Marathonpremiere in 3:37:55! Super gemacht Astrid, und auch Wolle als Pacemaker!

Maren musste dann direkt nach der Siegerehrung erfahren, das schnell sein nicht nur Vorteile hat, anstatt die lieben Vereinsfreunde erwartete sie die strenge Anti-Dopingkomission. Nach gut 2 Stunden war sie dann entlassen, ihr konnte lediglich ein überhöhter Pommeskonsum nachgewiesen werden und das ist laut Antidoping-Liste in Ordnung. Zugepflastert wie ein Drogenjunkie kam sie dann erlöst am Hotel an.

Und so ging ein traumhafter aber anstrengender Tag in München zu Ende, ein schöner Marathon, top organisiert und stressfrei, Kompliment an die Organisation! Und die Münchner? Sehr sympathisch und freundlich, da kommt man gerne wieder, auch wenn die Strecke so ein Ding zwischen schön und gähn ist, niemals hässlich, aber teilweise zieht es sich. Der Einlauf im historischen Olympiastadion entschädigt dann aber für den einen oder anderen müden Vorstadtkilometer.

Die Finisher-Zeiten unserer Läuferinnen und Läufer:

Maren Tritschler · 2:52:25
David Keller · 2:52:31 (Pacemaker fü Maren)
Daniel Blättler · 3:25:22
Salva Climent · 3:25:43
Astrid Beerlage · 3:37:55 (Marathonpremiere)
Wolfgang Hauch · 3:37:55 (Pacemaker für Astrid)
Rainer Hauch · 3:43:28 (Begleiter Maren bis km 15 · ab km 30 Begleiter Astrid)
Edith Sutton ÷ 3:51:52