Ein traumhafter Lauftag im Berner Oberland

Mit Superlativen sollte man sparsam umgehen, aber was wir bei unserem Lauf am Sonntag erleben durften, das war für mich persönlich einer der schönsten Läufe, die ich je gemacht habe. Es war nicht nur die einmalige Landschaft und das fantastische Wetter, was diesen Lauf zu etwas ganz Besonderem machten, es war auch die tolle Truppe, mit der ich unterwegs sein durfte. Wer an diesem Tag nicht dabei war, das ist definitiv, der hat etwas verpasst.

Die Strecke war für mich nichts Neues, 3 mal bin ich sie schon gelaufen, aber so schön wie am Sonntag durfte ich sie noch nie erleben. Wir starteten mit 5 Leuten ab Breitlauenen (Gudrun, Onur, Bruno, Luki und ich), das bedeutete erstmal steile 500 Höhenmeter auf 3km auf etwas rutschigen Waldwegen bis zur Schynigen Platte. Dafür wurden wir mit den ersten fantastischen Ausblicken belohnt, allerdings spürte ich bereits in den Beinen, ich hätte es wohl auch besser ab der Bahnstation Schynige Platte angehen sollen, dort warteten und starteten nämlich Thomas, Anja und François. Aber nicht nur sie befanden sich dort, mit ihnen eine Herde von Touristen, aber wen wunderts, bei solch herrlichem Bergwetter.

Nach wenigen Metern des Aufstieges von der Bahnstation weg wurde es auch schon deutlich ruhiger und das erste grosse Staunen liess nicht lange auf sich warten: der Tuba mit 2076 Metern Höhe und einer atemberaubenden Aussicht! Unter uns breiteten sich der Thuner- und der Brienzersee aus. Der nachfolgende Trail dürfte einer der Schönsten sein, die man so laufen kann, auf einem Grat entlang hat man das Gefühl zu fliegen, was ein Erlebnis!

Bis zum Loucherhorn geht das so weiter, wirklich atemberaubend und sehr gut zu laufen. Immer wieder gehts etwas auf und ab, aber man bleibt immer über der 2000m-Marke. Das bekommt man aber auch zu spüren, denn es zieht einem regelrecht die Beine zu, weg ist sie, die Leichtigkeit und Spritzigkeit, spätestens am Anstieg.

Ab dem Güwtürli, einem Felsdurchbruch an der Flanke des Locherhorns, verlassen wir den fantastischen Ausblick auf den Brienzersee. Aber das macht der Laune keinen Abbruch, denn das Felsgewirr an der Güw ist ebenfalls ein Erlebnis! Begleitet wird das Ganze von einer einmaligen Sicht auf die Berner 4000er. Bedrohlich bauen sich vor uns die riesigen Felsmassive der Ussri und Indri Sägissa auf. Zum Glück umlaufen wir sie und müssen nicht drüber. Von unserem höchsten Punkt des Tages, dem Faulhorn, sieht man allerdings noch nichts, obwohl es deutlich höher ist als die beiden Sägissa, aber das verrate ich lieber niemandem in unserer Truppe.

Traumhafte Strecke unterhalb des Loucherhorns

Der nächste markante Punkt: Ein kleiner Zwischenpass mit Namens Gotthard! Ja, der heisst tatsächlich so, hat aber im Gegensatz zu seinem grossen Bruder nur einen Bergpfad zu bieten. Dafür aber auch Schneefelder, denn auf dem Weg zu unserer ersten Verpflegungsstation, der Mendelen Hütte, mussten wir zwangsläufig die Laufschuhe in den Schnee stecken.

Die Hütte kam gerade zur rechten Zeit, denn der Himmel war wolkenlos und Schatten gab es auf der Strecke seit der Schynigen Platte keinen mehr. Nach einem erfrischenden Getränk ging es danach direkt steil hinauf, von 2344m auf über 2500m. Aber nun konnte man es deutlich vor Augen sehen, das Faulhorn, faszinierend ragt es hervor. Und immer wieder fantastische Ausblicke, auf den Sägistalsee unter uns, oder auf die Berner Bergkette, ein Traum!

Kurz davor und auf dem Faulhorn

Die Beine hingegen fühlten sich nicht mehr so traumhaft an, kämpfen war nun angesagt und jeder Höhenmeter musste hart erarbeitet werden. Und dann waren wir kurz vor dem Gipfel des Faulhorns, nochmals 120 Höhenmeter und wir standen auf dem Gipfel kurz über dem romantischen Berghotel. Eine Bahn fährt hier nicht hinauf, trotzdem ist der Berg gut besucht, wer oben steht, weiss warum.

Nach einer erneuten Erfrischung ging es jetzt bergab, wer dachte, man hätte schon alles Schöne gesehen, der wurde erneut überrascht. Einer der berühmtesten Ausblicke der Schweiz wartete noch auf uns: Der Bachalpsee und im Hintergrund Eiger, Jungfrau und Mönch. Und genau auf dieses fantastische Panorama liefen wir drauf zu, Gänsehaut! Ab der Bergstation First sahen wir zum ersten mal unser Tagesziel: Die Grosse Scheidegg. Die letzten 3 KiIlometer sind nicht mehr ganz so spektakulär, dachten wir. Aber auch diese waren traumhaft schön, ein toller Weg schlängelt sich entlang des Gemschberg und das Wetterhorn mit seine atemberaubenden Wand baut sich immer grösser vor uns auf!

Was ein Panorma beim Abstieg zur Bergstation First

Und dann war es geschafft, nach mehr als 4 Stunden erreichten wir ziemlich geschafft aber überglücklich die Grosse Scheidegg. Die Rösti und das eine oder andere Getränk liessen uns den einmaligen Lauftag nach einer erfrischenden Dusche auf bester Weise ausklingen. Danke an alle die dabei waren und besonders Thomas von Gunten für den Transport der trockenen Kleidung zur Scheidegg.

Wer sehen möchte, was er verpasst hat, kann sich die Bilder in der Galerie anschauen, viel Spass dabei!