Heimvorteil für den BRC am Zofinger Stadtlauf

Am Sonntag dem 27. Mai 2018 fand in Zofingen die 21. Austragung des Zofinger Stadtlaufs statt. Bekannt in der Region ist dieser Sportevent vor allem für die gleichzeitige Austragung der Schweizer Meisterschaften im Intervall Duathon, wo sich dieses Jahr unter anderem die Profisportlerin Nicola Spirig auf der Strecke auspowerte und souverän zum dritten Mal den Tagessieg einholte. Während die Intervall-Duathleten viermal zwischen Laufen und Velo wechselten, blieb ich meinen Laufschuhen treu.

Der Stadtlauf bot einerseits eine 5,25 km lange Strecke durch die Altstadt oder eine coupierte 10 km Strecke über den Heiteren an. Ich entschied mich für letztere, da der Zofinger Hausberg auch eine meiner liebsten Trainingsstecken ist.

Knapp einen Monat ist es her, dass ich in Wien den Marathon gelaufen bin. Trotz einer soliden Leistung, verlief dieser nicht ganz wie erhofft. Ich konnte trotz dem wochenlangen Training zuvor nicht die gewünschte Leistung abrufen, was neben den körperlichen Strapatzen natürlich auch einen mentalen Dämpfer bedeutete. Die Regeneration nach dem Marathon war also nicht nur für die Beine wichtig, sondern auch für meinen Kopf.

Ich beschloss den Zofinger Stadtauf ohne besonderes Training zu laufen und ganz ohne Zeitdruck. Dafür war die hügelige Strecke ideal und bei den sommerlichen Temperaturen war Körpergefühl gefragt, diese Erfahrung kannte ich ja von Wien nur zu gut. Ich dachte mir, wenn ich einen Podestplatz in der Altersklasse erlaufen würde, wäre das schön, wollte aber auch nicht enttäuscht sein, wenn mein Trainingsstand dies nicht zu lassen würde (zugegeben, so ganz ohne Wettkampfgedanke und Nervosität am Start kann ich dann doch nicht😉).

Die 10 km Strecke setze sich aus einem 5 km Rundkurs zusammen, welcher zweimal gelaufen wurde. Zu Beginn liefen wir 1,75 km durch die Zofinger Altstadt, bevor es die ca. 70 Höhenmeter zum Heiterenplatz zu bezwingen gab. Oben angelangt, wurden wir mit einem wunderschönen Ausblick über Zofingen und die Region belohnt. Weiter am Schützenhaus vorbei gings scharf um die Ecke, ab auf den Waldpfad im angenehmen Schatten. Wo es hoch geht, geht’s auch wieder runter und so konnte ich es bergab richtig rollen lassen. Nun checkte ich auch zum ersten Mal, dass die freundliche Velofahrerin auf mich wartete, um mich auf der Strecke zu begleiten. War ich wirklich die erste Frau? Bei der nächsten Wende schaute ich zurück, hinter mir zwei junge Männer, ansonsten niemand. Noch etwas ungläubig mahnte ich mich locker zu bleiben und einfach mein Tempo weiter zu laufen. Wieder in der Altstadt angelangt, bestätigte der Speaker meine Vermutung und ich startete meine zweite Runde in Führung. Der zweite Aufstieg war wie erwartet hart, aber ich war motiviert und der Heiterenplatz in Sichtweite.  Da es leider nur einen Wasserposten im Startbereich gab, war ich froh über die Zuschauer beim Schützenhaus, welche mir auf mein Zurufen Wasser reichten und fröhlich anfeuerten. Auf den letzten zwei Kilometern hatte ich mit Wilma, so hiess meine Velobegleitung, eine tolle Unterstützung. Sie freute sich mit mir und meinte, nun könne ich es geniessen. Sie hatte recht und so verkniff ich mir einen Blick auf die Uhr und genoss dein Einlauf in die Altstadt mit dem Wissen, für heute als erste Frau die Ziellinie zu überqueren. Was für ein tolles Erlebnis!

Die Siegerehrung war wunderbar und ich durfte mir das Podest mit dem Topläufer und Sieger bei den Männern Semlali Tahar teilen. Ein sehr sympathischer junger Mann, der die anspruchsvolle Strecke in 34:25:07 min. absolvierte. Bei dieser fantastischen Zeit hätte meines Erachtens er das Titelbild im Zofinger Tagblatt verdient, aber da schmückte sich die lokale Presse lieber mit der Strengelbacherin im schönen rot-weissen Shirt. Tja ich sage nur „Heimvorteil“.