Theater of emotions im Hochsommer von Wien

8 Grad, Regenschauer und stürmische Böen, das war exakt das Wetter, als wir in Hamburg zu unserer Mobilisierungsrunde am Vortag des Frühjahrs Marathons aufbrachen. Genau ein Jahr später herrscht in Wien gefühlter Hochsommer. Die Sonne scheint vom wolkenlosen Himmel und die Wetteraussichten für den Tag prophezeien zum ersten Mal über 30 Grad im Schatten! Selbst auf Mallorca, Sizilien oder Kreta sind es 6 Grad weniger zu diesem Zeitpunkt.

Ein leichter angenehmer Wind liess einem die lockeren 5 Kilometer auf der Donauinsel dennoch sehr angenehm vorkommen. Für den Wettkampftag wäre das zu warm, aber am Sonntag sollte es bis 5 Grad kühler sein, das wäre dann noch ok, gestartet wird ja schliesslich um 9 Uhr.

Unser Hotel war von der Lage nicht zu toppen, die Startlinie befand sich quasi direkt davor und während draussen Tausende an den bekannten Plastikhäusern Schlange standen, konnten wir gemütlich bis kurz vor dem Start im Hotel ausharren und erledigen, was es so zu erledigen gab.

Was man beim Start bereits fühlen konnte, sollte sich nach wenigen Kilometern später ganz schnell bestätigen: Die Sonne knallte mit voller Kraft vom Himmel. Der angenehme Wind des Vortages hatte sich heuer einen anderen Ort als Wien ausgesucht und bei den gemeldeten 5 Grad kühleren Temperaturen war wohl mehr der Wunsch der Vater solcher Gedanken. Kurz und verschwitzt: Es war hochsommerlich warm! Marathon auf Mallorca, ja, so muss sich das wohl auf den Balearen anfühlen.

Unsere BRC-Läuferinnen und Läufer hatten sich Einiges für diesen grossen Tag in der österreichischen Metropole vorgenommen. Speziell Anja, sie startete zu ihrem ersten Marathon! Mit James hatte sie einen erfahrenen Pacemaker und mit Gudrun und mir ihre Lauffreunde mit im Schlepptau! Ferhat komplettierte die rot-weisse Truppe im Startblock B.

Schneller zu Werke gingen Yvonne, Wolle, José und Gerd. Sie starteten im ersten Block, genau wie Evelyne, die von Luki als Loki begleitet wurde, sowie Mark, der allerdings mit Achillessehnenproblemen zu kämpfen hatte. „Ist es noch Nervosität oder bereits Panik“ fragte sich Evelyne kurz vor dem Einstehen über ihren Gemütszustand.

Marco und Edtith komplettierten das grosse BRC Starterfeld in der Donaustadt.

Die grosse Frage von allen: Sollte man wegen den hohen Temperaturen eine langsamere Pace wählen oder sollte man es versuchen? Laut den gemeldeten Werten eine wirklich schwierige Frage, hätte man gewusst, wie es dann auf der Strecke wirklich war, hätte sich die Frage nicht gestellt: Man hätte anpassen müssen!

Es gab zwar Schatten auf der Strecke, aber einige Kilometer verliefen komplett in der Sonne.

Yvonne lief ein sensationelles Rennen, obwohl sie als arbeitende Mutter das Training nur eingeschränkt absolvieren konnte, war sie von allen BRClern mit 3:06:06 Stunden die Schnellste! Sie gewann nicht nur ihre Altersklasse, sondern lief bei den Frauen als 14. in die Top 20!
Das ist ganz grosse Klasse, vor allem, wenn man bedenkt, dass hier Läuferinnen der Weltelite am Start waren.

José hatte im Gegensatz zu Yvonne ein sehr gutes Training absolviert und hatte natürlich auch entsprechende Pläne. Der sehr gute lange Lauf beim Freiburg Halbmarathon bestätigte seine Form vor dem grossen Tag in Wien. Die 3 Stunden waren bei ihm natürlich ein Thema, aber die Hitze verhinderte die Möglichkeit, ganz nah an diese Schallmauer heranzukommen oder gar zu unterbieten. Aber mit einer Zeit von 3:06:23 lief er einen hervorragenden zweiten Marathon und verbesserte seine persönliche Bestzeit erheblich! Grossartig José!

Gerd
und Wolle hatten ähnliche Ambitionen, aber beide mögen die Hitze nicht und so mussten sie ihre Pläne anpassen. Die vorgesehene Pace war bei diesen Bedingungen nicht möglich und so spannten die beiden zusammen und liefen nicht mehr unter Volldampf bei 3:11:55 am Wiener Rathaus über die Zielmatte.

Evelyne
hatte mit Luki einen erfahrenen und vertrauten Pacemaker an der Seite. Bis ca. km 12 versuchten die Beiden, die geplante Pace zu laufen, mussten dann aber auch, wie wohl alle Teilnehmer an diesem heissen Hochsommertag Mitte April erkennen, dass dies nicht möglich war. 3:15:24 zeigte die Uhr bei ihnen, als sie die Ziellinie überliefen. Aus meiner Erfahrung verliert man bei solchen Bedingungen ca. 8-10 Minuten auf die „normale“ Laufzeit. Das hätte dann gut für die geplanten 3:10 gereicht! Also eine Top-Leistung! Umso klarer wird diese Nummer, wenn man die Platzierung von Evelyne sieht: 22. Gesamtrang und 9. in der Topkategorie W30! Und das beim Wien Marathon mit 5920 Läuferinnen am Start!

Anja, Gudrun, James, Ferhat und ich selbst liefen von Beginn an zusammen und begleiteten Anja auf ihrer Marathonpremiere. Ferhat zog kurz nach der Hälfte davon und finishte nach 3:34:33 Stunden, relativ locker und nicht am Limit. Anja hatte bei ihrer Marathonpremiere auch eine Zeit ins Auge gefasst, aber beim Ersten ist das nicht so wichtig. Ihr ging es ähnlich wie Evelyne, nach ungefähr 12 Kilometern machte sich die Hitze bemerkbar und sie musste die Pace anpassen. Es sollte sie aber nicht daran hindern, ihren ersten Marathon mit Bravour zu meistern! Nach 3:44:21 Stunden lief sie Hand in Hand mit ihrem Pacemaker James und ihrem Trainer überglücklich und voller Freude über die Ziellinie am Rathaus! Willkommen im Club der Marathonläuferinnen! Gudrun lief auf Grund einer Krankheit in der Vorbereitungsphase ihren zweiten Marathon nur mit Sparflamme, ein seriöses Training war für sie unmöglich geworden. Ein frühzeitiges Aussteigen hatte sie bereits als Option eingeplant, sie begleitete ihre Freundin Anja bis km 27 am Praterstern und stieg dann aus dem Marathon aus. Kopf hoch, da kommen wieder andere Zeiten!

Auch Mark musste Forfait geben, Probleme mit der Achillessehne liessen ihn den Marathon kurz nach der Halbzeit beenden. Sicherlich in dem Moment die richtige Entscheidung! Auch das gehört zum Sport, auch für ihn werden wieder andere Zeiten folgen.

Edith lief, wie José, nach Valencia ihren zweiten Marathon, und das super gut! Sie wurde 16. In ihrer Kategorie und beendete ihre zweiten 42.195 Kilometer bei sommerlicher Hitze mit einer 3:48:03! Bravo Edith!

Marco hatte vergangenes Jahr mit einer langen Verletzungsperiode zu kämpfen, um so erfreulicher, dass er wieder auf der Marathonstrecke unterwegs war. Und umso schöner, konnte er in Wien das komplette Rennen laufen: 4:04:50 Stunden, damit war er noch gut in der schnellsten Hälfte der gesamten Läuferschar.

Ein unvergesslicher Marathon in Wien, für mich selbst der 50. und damit mal wieder 42195 Meter voller Emotionen. Theater of emotions steht auf dem Finisher-Shirt, das könnte es nicht besser beschreiben. Gratulation an alle und danke ward ihr bei diesem tollen Erlebnis dabei!

Besonderen Dank auch unseren BRC-Supportern Luc, Claude, Claudio, Ivan, Nadine und ihrem Partner.

Eine Bildergalerie mit den Fotos vom Wochenende in Wien folgt!