Anouks erster Halbmarathon

Als persönliches Saisonziel fürs 2017 setzte ich mir den Greifenseelauf, an welchem ich meinen ersten Halbmarathon bestreiten wollte. Aufgrund eines Verkehrsunfalls Mitte Juli folgte dann allerdings eine längere Trainingspause und so musste ich gezwungenermassen dieses Ziel ins nächste Jahr verlegen.

Da ich bereits seit langem geplant hatte, sieben Monate im Ausland zu verbringen, erkundigte ich mich im Voraus über Laufveranstaltungen in meiner neuen, vorübergehenden Heimat in Kanada und setzte meinen ersten Halbmarathon auf Ende Januar an. Voller Vorfreude stieg ich Anfang Januar ins Flugzeug und machte mich auf den Weg nach Vancouver.

Anfangs hatte ich grosse Schwierigkeiten, das Lauftraining so durchzuziehen, wie ich es mir vorgenommen hatte, da ich in der Schweiz bisher nie wirklich nach einem Plan trainiert habe, sondern das perfekt durchstrukturierte Training im BRC genossen habe und jeweils spontan entscheid, in welcher Gruppe ich mittrainieren wollte. (An dieser Stelle ein riesen Lob an den BRC und natürlich vielen herzlichen Dank für die vielfältigen und qualitativ wertvollen Trainings! 😊)

Ein anderer negativer Faktor auf meinen Trainingsplan hatte das kanadische Wetter, denn obwohl die Temperaturen in Vancouver im Vergleich zu anderen Städten in Kanada sehr mild sind, ist der Winter in Vancouver alles andere als perfekt für Outdoorsportler. Mit durchschnittlich 20 Regentagen während den Wintermonaten, hat sich diese Stadt den Spitznamen «Raincouver» redlich verdient. Obwohl ich mich bisher in der Schweiz nie wirklich fürs Training in einem Fitnesscenter motivieren konnte, löste ich mir ein Abo und verbringe inzwischen sehr gerne meine Zeit beim Indoortraining.

Am Sonntag, 28. Januar 2018, war es dann so weit – mein erster Halbmarathon stand vor der Tür. Da ich im Voraus nichts betreffend Umkleidemöglichkeiten herausfinden konnte, entschied ich mich, die knapp 5 Kilometer bis zum Start gemütlich als Einlaufen zu nutzen. Leider war das Wetter gleich wie beinahe an jedem Tag, den ich bisher hier erlebt habe: Regen, Regen und noch mehr Regen.

Nach dem Startschuss um 09.15h ging es dann endlich los. Die relativ flache Strecke führte entlang der Seawall in den Stanley Park und auf der beinahe gleichen Route wieder zurück Richtung Start-/Zielgelände. Da es mein erster Lauf auf diese Distanz war, legte ich mir keine Zeit im Voraus fest, sondern lief einfach los und konnte mich direkt an eine 3er-Gruppe dranhängen, die ebenfalls in meinem Tempo unterwegs war. Obwohl der ständige Regen die ganze Stadt in einen grauen Mantel packte, war die Aussicht fantastisch und mystisch zugleich. Kurz nach dem Wendepunkt auf halber Strecke im Stanley Park, war ich dann auf mich alleine gestellt, da sich die 3er-Gruppe auflöste. Ich spürte wie sich eine Blase an meinem linken Fuss bildete (wegen den durchnässten Schuhen) und obwohl ich eigentlich für meine Verhältnisse warm angezogen war, machte mir die Kombination aus nassen Kleidern und dem vom Meer kommenden Wind zu schaffen und so fieberte ich den letzten Kilometern entgegen. Als ich das Ziel bereits vom gegenüberliegenden Ufer sah, gab ich (für meine Verhältnisse 😊) noch einmal Vollgas und konnte meine Pace um knapp eine Minute verbessern. Mit etwas Restenergie im Gepäck konnte ich schliesslich nach 2:05:00.4 (Alterskategorie: 12, Overall 75.) die Ziellinie überqueren und glücklich und zufrieden meine Finishermedaille entgegennehmen. Glücklicherweise wurde ich im Ziel von meinen Freunden empfangen, die mich gegen ein Stück Kuchen mit dem Auto nach Hause chauffierten und so blieb mir der Nachhauseweg erspart.

Jetzt heisst es für mich erst mal ein paar Tage regenerieren und dann beginnt das Training für den nächsten Halbmarathon in Toronto, an welchen ich dann hoffentlich mit genügend Training eine Zeit unter 2:00.00h laufen kann.