Tolle Leistungen am Lausanne Marathon

Bericht von Lukas Oldani

Lausanne Marathon 2017

Der Lausanne Marathon ist fester Bestandteil des schweizerischen Laufkalenders. Es ist kein Geheimnis, dass die Wettkampfstrecke zwischen Lausanne und Vevey entlang des Lac Léman nicht zu den schnellsten seiner Zunft gehört. Die sehr sanften Steigungen ohne Rhythmusbrecher sind jedoch gut zu laufen und schnelle Zeiten sind mit der richtigen Vorbereitung durchaus möglich. Diese „richtige Vorbereitung“ hat Jason George vom BRC während des Sommers 2017 absolviert, da bestand keine Frage. Die Königsdistanz der Leichtathletik ist aber lang, 42.195 Kilometer wie man weiss, dementsprechend kann dem Läufer auf diesem langen Weg einiges widerfahren. Der Erfahrene und Gutvorbereitete kennt aber die Gefahren und weiss seine persönliche Form realistisch einzuschätzen. Jason hatte sich 2:55 h vorgenommen. Einen Marathon unter drei Stunden zu finishen, ist eine ernstzunehmende Herausforderung. Dies gilt umso mehr, wenn man wie Jason bereits in der Kategorie M50 läuft! Die Trainingseinheiten der vergangenen Wochen hatten gezeigt, dass sich Jason dieses Ziel keineswegs blauäugig gesteckt hat, im Gegenteil!

Der Wettkampftag begann, was die Temperaturen betrifft, vielversprechend kühl bei 10 – 15 C. Die grossen meteorologischen Unbekannten, welche das Rennen relevant beeinflussen könnten, bestanden im Regen und Wind. Ersteres sollte sich, wie sich herausstellte, in Grenzen halten. Zweites wird den Athleten, die an der Grenze zu ihrem physisch Möglichen laufen, zu schaffen machen. „Any last advice?“ war die Frage von Jason vor dem Start. „There is nothing more to say. You are well prepared, just do it!“, lautete meine ehrliche Antwort.

Die Wochen zuvor hatten wir viel über diesen Tag gesprochen, die Wettkampfstrecke, den Marathon im Allgemeinen so weiter. Meine einzigen Bedenken bei Jason galten seiner Tendenz, den Wettkampf zu schnell anzugehen und sich in den ersten 10 km zu sehr zu verausgaben. Das hatte ich ihm wiederholt gesagt und es gab keinen Grund, dies nochmals zu wiederholen. So gab er mir die Jacke, die ihn bis kurz vor dem Start angesichts der kühlen Temperaturen etwas warm halten sollte und stellte sich in die vierte Reihe zu seinen Konkurrenten.

Startschuss und los! Für die Zuschauer beginnt ab diesem Zeitpunkt das lange Warten bis man auf dem Smartphone die erste Zwischenzeit bekommt. Ich habe Jason ans Herz gelegt Kilometer 10 keinesfalls unter 41 Minuten zu passieren. Da aber beim diesjährigen Lausanne Marathon diese Zwischenzeit nicht ausgegeben wurde, bleibt es ein Geheimnis wann er das Schild mit k10 hinter sich liess. Nachdem ich dann endlich die Zwischenzeit von dem Halbmarathon bekam, konnte es mir aber denken. Diesen passierte er bei 1:25:09 h. Verdammt Jason! Viel zu schnell! Da zweifelte ich ob mit einer solch schnellen ersten Hälfte eine Zeit unter drei Stunden überhaupt noch zu schaffen war. Denn im Unterschied zu den kürzeren Distanzen, wo sich ein schneller Start nicht allzu drastisch auswirken muss, können beim Marathon wenige Sekunden katastrophale Auswirkungen haben. Eine Sekunde pro Kilometer zu schnell, steckt man in der Regel noch einigermassen weg und bezahlt auf der zweiten Hälfte möglicherweise mit 1 – 2 Sekunden extra. Die Rechnung ist aber nicht linear. Jede weitere zu schnell gelaufene Sekunde kostet unverhältnismässig viel mehr an Zinsen mit der diese aufgenommene Hypothek abgestottert werden muss. Das Dreifache, das Fünffache – das kann so weit kommen bis der Läufer gehen muss oder das Ziel nie zu Gesicht bekommt. Daran gibt es kein Vorbeikommen, für Niemanden. Das ist Natur des Marathonlaufs, dieser ist unparteiisch. Hoffend, dass es nicht so schlimm kommen würde, stellte ich mich zu dem Schild bei Kilometer 41, 1.2 Kilometer vor dem Ziel. Dass Jason nicht bei 2:45 h auftauchen würde, was der extrapolierten Zeit von 2:50 h entspräche, war mir klar. Die angesprochene flotte erste Hälfte war dabei eine Sache, die flatternden Fahnen, die in Richtung der Läufer schauten, das Andere. Ich konnte mir denken wie der kalte Wind, der den Marathonis ins Gesicht fegte den geschundenen und ausgelaugten Körpern zusätzlich zusetzen musste. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt. Heute musste diese aber nicht zu Grabe getragen werden, denn bei 2:52 h erspähte ich unser rotweisses BRC Shirt und war glücklich.

Das wird eine Zeit unter drei Stunden, soviel steht fest! Noch 200 Meter eine sanfte Steigung bevor man links abbiegt und zum See runterlaufen kann. Von dort sieht man den Zielbogen und darf meiner Meinung nach einen der schönsten Zieleinläufe der Schweiz geniessen. Links den Lac Leman mit den Bergen im Hintergrund. Rechts das Olympische Museum. Vielleicht sind es aber auch meine subjektiven und ausnahmslos positiven Erinnerungen, die ich mit diesem Ort verbinde. Schlussendlich ist das aber nicht so wichtig, denn jeder schreibt hier seine eigene Geschichte. Ein gut gelaufener Marathon wird immer ein fantastisches Erlebnis bleiben. Da kann es schneien oder hageln. Die Emotionen können aber auch auf die andere Seite kippen und daran kann in einem solchen Fall auch die atemberaubendste Kulisse oder das Publikum nichts mehr ändern. Grund zum Enttäuscht sein, gab es aber für Jason keineswegs, denn er blieb deutlich unter drei Stunden, lediglich 20 Sekunden über seiner Bestzeit und wurde zweiter in der Alterskategorie M50! Eine sensationelle Leistung bei nicht ganz einfachen Bedingungen. Der BRC gratuliert seinem Läufer herzlich!

Es sei aber an dieser Stelle nicht unerwähnt, dass weitere Mitglieder des BRC Distanzen ebenfalls am Start des Lausanne Marathons gegangen sind. Auch diesen gratulieren wir herzlich. Auf der Marathondistanz war das noch Julien Finci, der seinen Wettkampf in 4:15 h beenden konnte.

Aber auch auf den Unterdistanzen war der BRC mit von der Partie. Es steht ausser Frage, dass hier das Resultat von Maren Tritschler besonders hervorsticht. In sagenhaften 1:25.01,8 h beendete sie die halbe Distanz von 21.1 Kilometer. Maren hat ihren Hauptwettkampf, den Marathon in Florenz, noch vor sich. Mit einer solchen Zeit auf der Unterdistanz schauen wir gespannt auf Marens Tag-X und drücken ihr die Daumen.

Wolfgang Hauch, der sich als Marens Pacemaker engagieren liess, konnte den flotten Schritt seines Schützlings wegen einer Erkältung nicht mitgehen und musste sie ziehen lassen. So beendete dieser das Rennen nach 1:28 h.

Serena Theo nutzte die halbe Distanz des Lausanne Marathons ebenfalls. Jedoch nicht als Wettkampf, sondern als letzten Langen Lauf, der üblicherweise in zurückhaltendem Tempo absolviert wird. Dabei half sie Lisa Ross-Magenty Blättler, die ihren Halbmarathon in rund zwei Stunden absolvieren konnte.

Last but not least sei die Leistung von Hannah Grant erwähnt. Sie lief die kürzest angebotene Distanz am Lausanne Marathon 2017 von 10 km in 40:08.

4 Kommentar(e)

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1

Super Bericht. Danke Luki. Ich habe es sehr gonossen und mitgefühlt, aber auch einiges gelernt.
An alle Läufer grosse Gratulation. Eure Leistung ist immer inspirieren.

2

Thanks Luki for the great article and photos! Indeed, I ran the first HM too fast and it made the second HM, especially when combined with the wind, more difficult than it should have been. Pacing is a challenge for me and despite my good time, I learned a valuable lesson. Despite this, I thoroughly enjoyed the run and am motivated to better next time.

3
Maren Tritschler

Danke Luki für den tollen Bericht und die Fotos! Echt schön wenn man so eine tolle Begleitung hat! 🙂

4
Wolfgang Hauch

Die Laufzeiten wurden mittlerweile auf Nettozeit korrigiert, was bei mir 14s bedeutet. Bei den ersten Rängen ist das nicht gemacht worden, Maren erreichte einen tollen 7. Gesamtrang und muss deshalb leider mit ihrer Bruttozeit leben.



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