Sieg für David Keller beim Homberglauf

Ein Bericht von David Keller

 

 

Nachdem ich einige tolle Erfahrungen im Ausland sammeln konnte, jeweils verknüpft mit Reise, will ich jetzt wieder vermehrt regionale Läufe bestreiten. So toll diese Grossveranstaltungen auch sind, die kleinen, regionalen Läufe sind es, bei denen man sich gut aufgehoben fühlt und nicht als eine Nummer von vielen. Auch deshalb finde ich es schön, dass wir beispielsweise den Muttenzmarathon übernommen haben. Jedenfalls ging es mir gestern so, als ich nach getaner Arbeit wieder Richtung alte Heimat fuhr, in der Region wo ich aufgewachsen bin.

 

Alle kennen ihn in der Schweiz, den Hallwilerseelauf. Landschaftlich schön, aber mit den vielen Leuten ist Beinwil am See oder „Böju“, wie wir sagen, jeweils völlig überfüllt. Anders ist dies beim Homberglauf. Auch er findet in Beinwil am See statt. Und zwar am Mittwochabend, seit einigen Jahren als Teil der Laufserie Go-in6weeks nach dem Namen des Titelsponsors. Organisiert wird er von der LG Homberg, bei der ich ab und zu (aber doch eher selten) mitlaufe. Hier sind es immer die gleichen Gesichter, man kennt sich. Natürlich musste ich teilnehmen. Um das als Stammgast zu tun, bin ich noch ein bisschen zu jung, es war nämlich erst mein Zweiter. Weil ich hier als Einziger meine Farben Rot-Weiss vertrete, habe ich mich unter Basel Running Club/ LG Homberg angemeldet. So sehen die Einheimischen immerhin, dass ich kein ganz Ausserirdischer bin *Augenzwinker. Der Lauf selbst ist ein Berglauf, mit Start im Ort, wobei es über mehrere Schleifen knapp sechs Kilometer den Berg hoch geht. Auf der entwaldeten Spitze angekommen, nach etwa 250 Höhenmeter Differenz, hat man eine tolle Aussicht über den bekannten Hallwilersee. Es gibt sogar einen kleinen Turm, also ähnlich wie auf dem Blauen. Der Berg thront quasi über dem See und ist gleichzeitig das Verbindungsstück zwischen den beiden Tälern.

 

Insgeheim hatte ich natürlich gehofft, hier wo ich aufgewachsen bin, gewinnen zu können. Besonders bei  diesem Lauf war es mir persönlich wichtig, denn den grossen Hallwilerseelauf kann ich kaum gewinnen. Aber ich wusste, dass starke Konkurrenz am Start war, letztes Jahr wurde ich Gesamtfünfter. Allerdings mit geringem Abstand auf den Sieger. Die ersten beiden vom letzten Jahr waren wieder dabei, sie galt es zu schlagen. Ein paar andere, wie der ehemalige Spitzen-OL-Läufer Matthias Merz, waren dieses Jahr zu meinem Erstaunen aber nicht dabei. Ich mag diese kurzen und knackigen Strecken. Sie sind anstrengend (sehr!), aber schnell vorbei. Vor Beginn gab es bei mir ein ausgedehntes Aufwärm- und Einlaufprogramm. Die letzten Glückwünsche und Aufmunterungen. Und die, die mich kannten sagten mir alle Grosses voraus, als ob dies eine Selbstverständlichkeit wäre.

 

Der Start. Nach einer Schlaufe um den Sportplatz ging es eine leichte Steigung zur Kirche hoch. Von da weg im Zickzackkurs über Quartierstrassen den Einfamilienhäusern entlang. Das Tempo an der Spitze war langsam. So langsam, dass es einen grossen Läuferpulk von mindestens acht Läufern umfasste. 3:30 zeigte der erste Kilometer an, für mich war das Wohlfühltempo pur. So setzte ich mich nach vorne und quatschte mit Rainer, dem Vorfahrer. „Was ist denn heute los?“. Er meinte, er wisse es auch nicht, ich solle einfach mein Ding laufen. Ich erinnerte mich, dass meine vermeintlichen Konkurrenten um den Tagessieg gleichzeitig die Führenden von der Laufserie waren. Das heisst, sie schauen eher auf sich selbst und die Gesamtwertung, wer ihnen vorne auf der Nase läuft ist ihnen egal. Und der Rest vom Pulk konnte nicht schneller, auch wenn er wollte. Deshalb gab ich nochmals Gas, denn nach dem zweiten, nochmals eher flachen Kilometer, ging es bald richtig steil hinauf. Und hier wollte ich nicht unnötig leiden. Nur weiter, meinte Rainer, der Abstand wird immer grösser und schon bald war ich mutterseelenalleine.

 

Nach dem zweiten Kilometer ging es wegen einer Baustelle kurz über eine Treppe einen Trampelpfad hoch. Die Streckenführung war aber fast identisch zum letzten Jahr. Das wusste ich und oben war es dann ein Motorrad, das vorfuhr wegen der Steigung. Denn jetzt fing es erst richtig an! Es kam aber nochmals ein schöner Moment: Bei den letzten Häusern, hatten die Kinder mit Kreide noch die Namen der Läufer/innen auf das Asphalt gemalt. „Hopp Andreas“ hiess es da beispielsweise. Von jetzt an ging es die letzte geteerte Strasse über die Felder hoch zu einem Hof, das steilste Stück. Bei Kilometer drei oben angekommen, warteten Sanitäter und Feuerwehrleute. Die Feuerwehr ist nämlich jeweils auch dabei. In Vollmontur mit einer zwanzig Kilogramm schweren Sauerstoffflasche walken sie den Berg hinauf. Und hier müssen sie die Flasche zum ersten Mal wechseln. Es gab einige Anfeurungen. An Ihnen merkte ich, dass mein Abstand schon riesig sein musste. Denn nach mir kam überhaupt nichts.

 

Von da an ging es ein wenig flächeres Stück mit Auf-und Abpassagen durch den Wald und hinaus. Die erste und einzige Getränkestation war hier postiert. Durst hatte ich keinen, jedoch war mein Mund sehr trocken. Die beiden Männer sassen hinter einem kleinen Tisch. Mein Griff im Vorbeigehen zum letzten Becher Wasser misslang und er kippte, dann halt ohne. Das haben ich und Michéle dann doch besser gemacht bei unserem Getränkestand am Wochenenende, habe ich mir gedacht. Nach Kilometer vier, wartete nochmals eine heftige, langgezogen Steigung. Hier war ich letztes Jahr „klinisch tot“, das wusste ich. Auch dieses Jahr war es fast so. Zum Glück konnte ich aber schon ein bisschen Tempo herausnehmen, denn ausser mir und ein paar Vögeln war niemand da. Richtig ausrollen lassen, wollte ich es erst auf dem letzten halben Kilometer. Der war nämlich wieder flach, man kommt aus dem Wald und erblickt in der Ferne das Ziel mit dem Turm. Überall auf dem Weg standen sie, die paar Fotografen und Spaziergänger. Jemand hatte sogar eine Soundanlage dabei, aber ohne Musik, schade. Der Veranstalter implementierte zum Schluss hin sogar noch eine Sprintwertung. Und es gibt tatsächlich Leute, die nur wegen dieser Wertung antreten. So unterschiedlich kann die Motivation sein! Ein letzter Blick zurück und ich brach innerlich in Jubelstürme aus. Zieleinlauf, das ist die Belohnung für uns alle! Die Hände formte ich über meinem Kopf zu einem Herzen. Forever in my heart.

 

Im Ziel hiess es David Keller, Menziken. Der Mann von Datasport wohnt nämlich auch da, wo ich aufgewachsen bin. Er murmelte etwas von ein paar Sekunden langsamer als letztes Jahr. Später fand ich heraus, dass er wahrscheinlich die Siegerzeit gemeint hat. Allerdings hatte ich über eine Minute Vorsprung und im Vergleich zum letzten Jahr war ich doch 22 Sekunden schneller. Solche Läufe kann man nicht auf Zeit laufen, sondern nach Gefühl. Alles in allem, auch wenn Eigenlob stinkt, souveräner hätte ich das Ding nicht nach Hause schaukeln können!

 

 

Die Rangliste findet man  hier.