Auf dem Westweg von Pforzheim nach Basel

Ein Bericht von Dani Schwitter

Vom 28. April bis 1. Mai 2017 fand auf dem Westweg ein Mehretappenrennen quer durch den Schwarzwald statt. Dabei galt es während vier Tagen 285 Laufkilometer, gespickt mit 8‘800 Höhenmeter Anstieg, zwischen Pforzheim und Basel zurückzulegen. Die Strecke war sehr anspruchsvoll. Auf Forstwegen und Trails wurden viele Schwarzwaldgipfel überlaufen. Der höchste Punkt lag auf dem Feldberg (1‘493m Höhe).

Jens Lukas, ein ganz grosser Läufer in der Ultraszene, hatte zu dieser Privatveranstaltung eingeladen. Für mich war es eine Ehre, eine Einladung zu seinem Event zu erhalten. Zudem passte der Termin optimal in meine letzte Vorbereitungsphase zum 24-Stundenlaufrennen.

Ein paar Tage vor der Veranstaltung erhielten alle Teilnehmer ein Roadbook mit den wichtigsten Informationen für jede Etappe. Die Wasserstellen (Brunnen, Quellen, Bäche) und ein paar wenige Einkehrmöglichkeiten waren eingezeichnet, denn es gab keine Verpflegungsstellen unterwegs. Jeder musste sich selber organisieren.

Ich hatte grossen Respekt vor dieser Aufgabe; freute mich aber auf die Herausforderung und das Abenteuer! Mit Trail- und Etappenläufen hatte ich bis zu diesem Zeitpunkt noch keine Erfahrungen.

Am ersten Tag rannten wir von Pforzheim nach Untersmatt. Knapp 70 Kilometer kamen zusammen. Es lief mir sehr gut und ich überstand die Etappe ohne nennenswerte Zwischenfälle. Die ruppigen Auf- und Abstiege forderten aber sehr. Auch war immer grosse Konzentration gefordert, denn es gab keine Streckenposten, die auf den richtigen Weg hinwiesen. Es galt immer den roten Wanderzeichen zu folgen.

Am zweiten Tag ging es von Untersmatt nach Brend; 91 Laufkilometer und 3‘000 Höhenmeter waren zurückzulegen. Auf dem ersten Drittel der Strecke fühlte ich mich entspannt und konnte in einer kleineren Gruppe mitlaufen. Aber schon bald fing in regelmässigen Abständen ein lästiges Zwicken in meiner linken Wade an. Da ich letzten November noch einen Muskelfaserriss in diesem Bereich hatte, versuchte ich ein wenig Tempo herauszunehmen und achtete mich mehr auf einen sauberen Laufstil. Aufgeben war zu diesem Zeitpunkt keine Option und so kämpfte ich mich noch vor Einbruch der Dunkelheit durch. Die vielen ruppigen Aufstiege und Abstiege über Steinbrocken, Wurzeln und teilweise durch tiefen Schneematsch waren alles andere als angenehm. Aber ich war ja auf der Suche nach dem Abenteuer und nicht im Wellnessurlaub.

Mit dem Flossingband und der Blackroll versuchte ich die Regeneration der Muskulatur noch vor dem Schlafengehen aktiv zu unterstützen, um am nächsten Tag wieder in die Gänge zu kommen.

Nach einer unruhigen Nacht mit wenig oder vom Gefühl her keinem Schlaf ging es am dritten Tag von Brend über den Feldberg nach Todtnauberg. Die ersten 20 Kilometer liefen recht ordentlich. Doch dann kam wieder dieses Stechen in der Wade, das mein Lauftempo auf ganz langsames Jogging reduzierte. Bei Titisee kehrte ich in einer Vesperstube ein und verpflegte mich zuerst einmal ausgiebig, denn die Überquerung des Feldberges stand ja noch an. Die Muskulatur liess danach aber kein vernünftiges Lauftempo mehr zu und so war Kampfwandern angesagt, um den Schaden in Grenzen zu halten. Der mentale Bereich war noch genug stark, um die dritte Etappe zu beenden. Im Ziel stand schon ein kühles Weizenbier bereit und alles war wieder gut.

Ich entschied mich, die vierte Etappe von der Todtnauerhöhe nach Basel nicht mehr anzutreten. Das Risiko einer Verletzung war mir zu gross. Immerhin kamen in den letzten drei Tagen 220 Laufkilometer und etwa 7‘000 Höhenmeter zusammen.

Fazit… Es war seeeeehr anstrengend aber trotzdem mega cool!!!

Trainingseffekt… Ich kam mehrmals in einen körperlichen Zustand, wie ich ihn beim nächsten Ultrarennen antreffen werde. Durch das erfolgreiche Bezwingen des physischen und psychischen Stresses sollte sich die Leistungsfähigkeit erhöht und eine Adaption stattgefunden haben. Mit dem Setzen der Reize passen sich die Muskelzellen und Organe an neue Situationen an, um dann beim nächsten Mal noch höheren Belastungen Stand zu halten. Ob es aufgeht, wird sich bald zeigen.

In 10 Tagen findet der 24-Stundenlauf in Basel statt; mein Highlight im Frühjahr. Dabei möchte ich in erster Linie die 200-Kilometergrenze knacken. Meine aktuelle Bestweite liegt derzeit bei 219 Kilometer. Wenn am Tag X alles passt, liegt durchaus eine Überraschung drin und meine eigene Rekordmarke wankt. Ich nehme die Herausforderung an und freue mich schon jetzt auf das nächste Laufabenteuer; keep on running!



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