100km von Grünheide/Störitz · ein Bericht

XXXVII. Internationaler 100-Kilometer-Lauf von Grünheide/Störitz
von Dani Schwitter

Die Vorfreude auf den ersten richtigen Ultralauf in diesem Jahr war gross. Ich lief zwar im Vorfeld bereits zweimal über 60 Kilometer zu Trainingszwecken aber dem schreibe ich noch nicht “ultra” zu.

Nach meiner persönlichen Buchhaltung sollte dies mein 13. 100-Kilometerlauf werden; sozusagen eine Routineaufgabe könnte man meinen. Aber erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Ultralaufen ist und bleibt immer unberechenbar. Das ist gut so.

Mein gestecktes Ziel war primär, wieder einmal 100 Kilometer nonstop zurückzulegen. Eine bestimmte Zeitvorgabe setzte ich mir nicht. Unter 9 Stunden würden meine momentane Form und Verfassung bestätigen. Viel schneller wollte ich nicht laufen, da sonst die Regenerationsphase zu lange dauert.

Die Wettkampfstrecke von Grünheide verläuft über einen abwechslungsreichen 5-km-Rundkurs ohne wesentliche Höhenunterschiede, zu grossen Teilen im Wald. Das heisst 20 Runden bis die 100 voll sind.

6.29 Uhr … noch eine Minute bis es losging. Ein letzter Check. Schuhe gebunden, Satelliten-Empfang der Uhr bereit, Startnummerbändel sitzt. STARTNUMMER??? Sch….., meine Nummer inklusive Zeiterfassungschip war weg! Ein 200-Metersprint unter 20 Sekunden zurück zur Unterkunft, die sich zum Glück gleich um die Ecke befand. Wo ist meine Nummer? Unter der Decke, im Bad, im Koffer? Nichts gefunden. Der Nummernbändel muss sich beim Einlaufen gelöst haben… In der Zwischenzeit hörte ich den Startschuss und das Feld zog los. Bis auf einen Läufer. Also Suchübung abgebrochen und zurück zum Start. Der Versuch einer kurzen Erklärung meiner Misere und los ging es.

Ich rollte nun das Feld von hinten auf. Der erste Kilometer unter 4 Minuten. Die besten Vorzeichen um beim Ultralaufen zu scheitern. Meine Taktik war bereits am A….! Egal. Wenn ich etwas in den letzten drei Jahrzehnten auf den langen Kanten gelernt habe, dann ist es in Ausnahmezuständen möglichst cool zu bleiben. Ich rechnete bereits mit einer Disqualifikation und hätte diese auch ohne wenn und aber akzeptiert. Dann hätte ich eben irgendwo im Hinterland Berlins meine Kilometer abgerollt.

Beim nächsten Zieleinlauf wurde ich aber mit einer neuen Nummer überrascht. Mit den Worten des verantwortlichen Zeitnehmers “In solchen Situationen sind WIR für die Läufer da”, war ich wieder zurück im Rennen.

Die ersten 50 Kilometer liefen ganz gut. Aber ich war zu schnell unterwegs. Das rächte sich auf dem zweiten Teil der Strecke. Erschwerend kam noch dazu, dass ich mich zwischen Kilometer 55 bis 75 mehrmals übergeben musste. Krämpfe beschäftigen meinen Magen. Macht das Spass? Ganz klar nein, aber der Umgang mit solchen ungemütlichen Begebenheiten gehört nun einmal dazu. Die letzten 20 Kilometer liefen wieder ganz ordentlich. Schadensbegrenzung war angesagt. Eine Zeit unter 9 Stunden war noch möglich. Schwächeln lag nun aber nicht mehr drin. Mit ein wenig Schokolade und Keksen futterte ich mir ein paar Kalorien an, um die Beine nochmals anzutreiben. Und sie liefen wieder; nicht schnell aber regelmässig. So erreichte ich nach 100 Kilometer glücklich und zufrieden das Ziel in einer Zeit von 8.55.23 Stunden.

Jetzt geht es noch 7 Wochen bis zum 24-Stundenlauf, den ich mir als Frühlings-Highlight gesetzt habe. Es steht eine sehr spannende und intensive Zeit bevor. Ein paar längere Trainingseinheiten sowie das Pflichtprogramm mit Kraft- und Stabilisationsübungen begleiten mich während der nächsten Phase der Vorbereitung. Auch am Laufstil muss ich noch feilen. Mit meinem zu kraftvollen Knie- und Fersenhub verpulvere ich zuviel Energie. Das will ich in den verbleibenden Wochen noch korrigieren.

Das letzte Testrennen findet vom 28. April bis 1. Mai 2017 statt. Es startet in Pforzheim und führt über den Westweg in vier Tagesetappen durch den Schwarzwald nach Basel; 285 Kilometer mit 8‘800 Höhenmeter. Ich werde darüber berichten.

Dani Schwitter

2 Kommentar(e)

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Super Dani und vielen Dank für den Bericht.
Weiter so, freu mich schon dich am 24h-Lauf anzufeuern.

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José Navarro

Hut ab Daniel. Unglaubliche Leistung und grosse Inspiration für uns. Aber auch witzig wie du damit umgehst. Jetzt auf die 285km!! Yeah!!



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